Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

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Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von *Chorche* » 11.07.2016, 16:27

Um den Thread "Schleppangeln in Kroatien" nicht weiter zuzumüllen, und da da offensichtlich noch einiges an Klärungsbedarf besteht, möchte ich hier zu gewissen Themen einen neuen Thread eröffnen.

Als Angler hat man es ja wahrlich nicht leicht. Es gibt Tierschützer, die einem das Leben schwermachen (bei uns zum Glück nicht so ausgeprägt wie in Deutschland), von den Mitmenschen werden wir oft belächelt, die Freundin/Frau verdreht die Augen, wenn Mann wieder einmal ans Wasser "muss" und so weiter und so fort...

Und dann gibt es da noch Themen, mit denen sich die Anglerschaft gegenseitig zerfleischt. Catch and Release ist da ein klassisches Thema, doch darum soll es hier nicht gehen. Denn es gibt andere Themen, mit denen wir uns oft gegenseitig zerlegen.

Eines dieser Themen ist das Fischen mit Lebendködern. Für mich, in meiner persönlichen Ansicht, ist es unter bestimmten Voraussetzungen in Ordnung, Lebendköder zu verwenden. Diese Voraussetzungen sind für mich folgende:

1. es muss gesetzlich erlaubt sein. In Kroatien fische ich gelegentlich mit Lebendköder, weil es dort erlaubt ist - in Österreich würde ich das niemals tun!

2. mein Zielfisch wird mitgenommen - denn das Quälen eines Köderfisches, nur um dann einen gefangenen Fisch zu releasen - das finde ich falsch (mein Schwertfisch war ein Sonderfall, er war Beifang beim Fischen auf Dentex und Amberjack - die hätte ich mitgenommen, der Schwertfisch war ein überraschender Beifang)

3. die Anköderung muss passen. Ich halte nicht viel davon, einem Fisch einen oder mehrere Haken durch den Körper zu rammen. Makrelen und Bastardmakrelen ködern wir in Kroatien mittels eines Gummiringerls an - der Fisch wird circa bei der Körpermitte von einem Gummiringerl umwickelt, dieses Gummringerl wird dann an den großen Circle Hook geknotet. So ist der Fisch an der Flucht gehindert, sollte aber - meiner Einschätzung nach - keine Schmerzen haben oder leiden.
Kalmare werden ein bisschen anders gehandhabt, sie bekommen einen ganz dünnen Faden durch die Mantelspitze gezogen, an dem dann der Haken angeknotet wird - das sollte auch relativ leidensarm vonstatten gehen.

4. für mich das Wichtigste: das Livebait-Fischen muss in dieser Situation die beste Methode sein. Wenn der Zielfisch besser mit einer anderen Methode zu fangen ist, dann sollte diese auch verwendet werden.

Zum Thema EU-weites Tierschutzgesetz: sowas gibt es nicht, auch wenn jemand in diesem Forum (ich glaube OKHW) das steif und fest behauptet. Es gibt einen EU-Tierschutzvertrag, Gesetze dazu (wie ein Lebendköder-Verbot) sind aber Ländersache, deswegen ist das Livebaiten in Kroatien legal.

Auch so ein Thema, das oft diskutiert wird, ist das Fischen auf seltene Arten. Und da gibt es noch viele weitere - das Gesetze einhalten/nichteinhalten, wenn einem Verordnungen sinnlos erscheinen - und so weiter...

Was och mir bei solchen Themen wünschen würde, ist mehr Toleranz und Akzeptanz. Ich bin jemand, der hauptsächlich zum Spaß fischt, aber auch oft mitnimmt. Zwar belächle ich innerlich Fischer, die alles Releasen, Karpfen küssen, oder nur zum Essen fischen gehen - aber ich würde solche Kollegen nie lächerlich machen, wie es andere oft tun.

Ich wünsche mir mehr Toleranz, denn wir sind alle Angler, und haben ein gemeinsames Interesse: den Fischfang und gesunde Fischbestände.

Wie seht ihr das? Toleranz ja oder nein? Muss man andere belehren oder runtermachen, wenn sie aus meiner persönlichen Sicht etwas falsches tun? Oder sollten wir zusammenhalten?

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regus
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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von regus » 12.07.2016, 00:02

Zusammenhalten ist unrealistisch. Wir Menschen haben nicht gelernt Meinungen anderer zu akzeptieren und unsere eigenen Anschauungen nicht als Maßstab hoch zu stilisieren. Um über den eigenen Horizont drüber sehen zu können und auch andere Ansichten, Wertmaßtäbe, Moralvorstellungen usw.gelten zu lassen u auch zu schätzen bedarf es sehr viel Lebenserfahrung, emotionaler Intelligenz und auch die kulturelle Erziehung spielt eine Rolle. Wir leben in einem Wertesystem. Vom Beginn unseres Lebens läuft alles über Bewertungen. Du hast braaav Gacki gemacht. . ..du warst aber ganz schlimm weil du das runtergeworfen hast...
Spätestens ab der Schulzeit lernen wir uns auch selbst über Leistung zu definieren. Über Schulnoten definieren wir unseren Wert. Für viele geht das ihr ganzes Leben lang. Sie merken nicht das andere in Wirklichkeit ihr Leben lenken. Wie die Herdentiere übernehmen sie Ansichten, Werte, Traditionen, Religion usw aus ihrem Land, ihrem psychosozialem Umfeld, ihrer Kultur und denken, dies wäre der einzig richtige Zugang zu einer Sache.
Wer viel andere Länder bereist oder in andere Kulturen und deren Denkweise eintaucht erlebt die Bereicherung eines neuen und erweiterten Horizonts.
Kleines Beispiel : In Deutschland ist es völlig normal mit 200 auf der Autobahn zu fahren. Fährt man über die Grenze zu Österreich u fährt mit 150 weiter wird man kriminalisiert. Hier ist die geltende Moral 130kmh. Ein Großteil hat keinen anderen Horizont. Die Vorgabe ist ihr Maßstab, weil es das Gesetz so vorschreibt. Die die 200 oder 230 fahren in Deutschland sind Irre, Verrückte, Verantwortungslose etc. Dort ist das aber Alltag u die Menschen können besser damit umgehen als die meisten Autofahrer in Österreich.
So ist es in allen Bereichen, auch beim Fischen mit Lebendköder. Andere Sitten , Bräuche, Ansichten gelten zu lassen....das wird uns immer schwer fallen.

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von *Chorche* » 12.07.2016, 00:42

Wie wahr. Das mit dem Autofahren ist ein schöner Vergleich.

Hierzulande heißts bei vielen "Tierquäler!", wenn du mit Livebait fischst, in Kroatien ist es Standard.

Anderes Beispiel: ich persönlich habe mich sehr gefreut, meinen Schwertfisch zu releasen, da die Fische im Mittelmeer sehr selten sind, und die kroatischen Freunde auch nix dagegen hatten. Ich würde auch gerne, wenn es mal dazu kommt, dass ich in fernen Landen auf Marlin oder Sail fische, diese Schwertträger releasen. Sollte ich aber bei der Fahrt zum Boot hungernde Menschen sehen, oder ein Kinderheim sehen, wo Kinder sich um ein kleines Schälchen Reis drängen, würde ich bei aller Liebe jeden Marlin oder Sail mitnehmen, um wenigstens einen kleinen Beitrag zur Hilfe für diese Menschen zu leisten.
Bei uns gelten Billfische als edel und unbedingt zu releasen, aber ich hätte in oben genannter Situation grosse Probleme, einen Fisch zu releasen.

Ich finde, Akzeptanz würde uns allen gut tun. Aber leider sind wir schon von Anfang an in ein Denkmuster hineingepresst, wo alles andere sofort als verwerflich beurteilt wird. Regus hat das sehr gut gesagt...

:good post:

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von korsikaphil » 12.07.2016, 00:51

*Chorche* hat geschrieben:Ich finde, Akzeptanz würde uns allen gut tun. Aber leider sind wir schon von Anfang an in ein Denkmuster hineingepresst, wo alles andere sofort als verwerflich beurteilt wird.
Das mit der Akzeptanz ist so eine Sache: Nur weil etwas woanders mehrheitlich akzeptiert und gesetzeskonform ist, muss das nicht heißen, dass es bei uns auch funktioniert oder gar eine Bereicherung für unsere Gesellschaft darstellt. Ein Negativbeispiel:
In den USA ist es in mancherorts gang und gäbe, ohne sachlichen Grund mit einer scharfen und zugriffsbereiten Waffe durch die Gegend zu flanieren. Klar sagen die Waffenbefürworter: "Wir tun ja niemandem etwas." Dem Polizisten, der in eine Schießerei verwickelt wird und sich dann einer ganzen Anzahl Bewaffneter gegenüber sieht von denen nur einer geschossen hat, hilft das aber nicht weiter. Ich bin im Umgang mit Waffen vertraut, und hab da überhaupt keine Berührungsängste. Trotzdem will ich solche Szenarien auf keinen Fall bei uns haben, auch wenn ich damit möglicherweise die "Selbstverwirklichungsrechte" anderer beschneide.

Leute, die mit 200 Sachen über die Autobahn brettern, muss ich auch nicht haben. Die Schadstoffbelastung und Lärmverschmutzung steigt dadurch deutlich an, und schneller ans Ziel zu kommen ist heutzutage eh schon out, lieber allgemeinverträglich und ressourcenschonend über die Ziellinie fahren. Wenn ich könnte, würd ich den 130er europaweit einführen, ist mir völlig schnurz was die tempogeilen Deutschen dazu sagen.

Beim Lebendköder sieht mein derzeitiger Standpunkt so aus:
Auch wenn ich mir nicht mehr so sicher bin, ob Fische Schmerzen im selben Ausmaß wie andere Wirbeltiere empfinden, die Todesangst vor dem herannahendem Raubfisch in Verbindung mit der vorsätzlichen Fluchtbehinderung durch den Angler bleibt in meinen Augen eine Quälerei. Und dabei ist es für mich unerheblich, ob der Köderfisch durch den Bauch oder mit einem Gummiringerl angeködert wird. Letzlich ist es eine Gewissensfrage: Wenn jemand es für vertretbar hält, den verängstigten und an der Flucht gehinderten Lebendköder für eine bessere Fangchance (?) einzusetzen, dann soll er/sie das halt machen. Für mich wärs nix, und einem Kind würd ich diese Fangmethode auch nicht vorzeigen wollen.
Eine gesellschaftliche Anerkennung der Methode in Form einer Aufhebung des Lebendköderverbotes lehne ich ab.
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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von fuschlsee0 » 12.07.2016, 14:12

Nur kurz, weil die Zeit momentan nicht mehr zulässt.
Gute Themenwahl und sehr guter Einstieg der Diskutanten!

Ich möchte aber lediglich zum Thema Lebendköder schnell was schreiben. Es ist ethischer common sense unter den österreichischen Fischern, dass man so verantwortungsvoll und schonend wie möglich mit Fischen umgeht. Das kann man wohl so behaupten und Beispiele gibt es en masse hier im Forum. Ob c+r oder abhaken im Wasser, Abhakmatte oder Schonhaken, Kreishaken oder Rückrüstung von Drillinge auf Einzelhaken.

Was aber ist mit Köderfischen? Haben die nicht auch verdient, so schonend wie möglich behandelt zu werden? Reicht da ein Gummringerl statt einem Haken? Oder bräuchte man eine "Anhakmatte", damit man beim Anködern die Schleimhaut nicht verletzt?
Oder sind die irgendwie "ausgenommen" von dieser moralischen Verpflichtung der schonenden Behandlung? Warum sind sie ausgenommen? Weil sie keine "Gamefish" sind?
Oder wird hier mit unterschiedlichem Augenmaß gemessen? Liegt gar Doppelmoral vor? Oder was macht sonst den Unterschied zwischen der Behandlung einer Äsche und einer Makrele aus? Gibt es dafür GÜLTIGE (im Sinne der Logik) Erklärungen?

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von Trickyfisher » 12.07.2016, 18:02

Eine interessante Diskussion mit reichlich Konfliktpotential, mal sehen, wie sich´s entwickelt.
Ich sehe das so, das ich mich eher danach richte, wo ich gerade bin.
Ein Beispiel: Zuhause lasse ich die meisten Fische wieder schwimmen, gerade mal 2-3 karpfen kommen in die Küche, Alle Fische werden mit äusserster Sorgfalt behandelt, Abhakmatte ist Pflicht usw.
2007 und 2008 war ich im Jemen auf der Insel Soquotra zum Meeresfischen, Jigging und trolling war angesagt. Der Veranstalter hatte da eine Kooperation mit einheimischen Fischern, die uns in ihren Booten rausfuhren, einfache Metallboote mit 40Ps Aussenboarder.
Wir fingen dor wie die Blöden und jeder, wirklich jeder Fische, egal wie groß, bekam das Gaff reingehauen und mußte mit und zwar einfach, weil diese Menschen dort bettelarm sind und NIE verstehen würden, das einer nur zum Spaß "arbeitet" und die Fische dann auch noch freilässt.
Wenn wir dann am Abend wieder anlegten, lief das ganze Dorf zusammen, jeder schnappte sich einen Fisch und trug ihn in seine Hütte als Abendessen.
Für diese Menschen ist das einfach die Lebensgrundlage.
Genauso bei meinen Touren in Venezuela. Fisch ist dort Nahrung, die Indianer Guides würden nie verstehen, dass sie Tonnenweise Dosenfrass mitnehmen sollen, weil die werten Gäste aus Europa "C+R" machen wollen.
Und dort wird auch ganz selbstverständlich mit lebenden Köfis gefischt und gefangene Fische werden von den Einheimischen nicht totgehauen, da sie einfach länger frischbleiben, wenn sie noch eine halbe Stunde im Boot rumzappeln. Und um so Dinge wie Schonzeit oder Mindestmaß kümmert sich auch keiner.
Ich denke mal, dass unser selbstvertändlicher schonungsvoller Umgang mit Fischen auch eine Art "Luxusproblem" darstellt, wir können es uns leisten, C+R zu betreiben, weil wir Nahrung im Überffluss haben, wo die Menschen mit Überleben beschäftigt sind, kann man so eine Rücksichtnahme nicht erwarten.
Wenn ich in solche Länder reise, passe ich mich an, auch wenn´s manchmal schwer fällt.
Wenn ich dann in berichten lese, dass manche "Sportfischer" mit Einheimischen Hochseeangeln gehen und dann noch extra dafür bezahlen, dass gefangene Fische wieder released werden, denke ich mir halt meinen Teil.
So und jetzt Chips und Bier rausgeholt.....
TL
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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von OHKW » 13.07.2016, 13:58

Wenn ich die ewig gleiche Diskussion mit den ewig gleichen Leuten führen will, kann ich mich gleich in eine Demenzstation einliefern lassen.

Was die Tierschutzgeschichte angeht: In Spanien (in dem Fall Fuerteventura) wird seit einigen Jahren gegen die Lebenköderfischerei scharf gemacht, also kontrolliert und abgestraft. Mir habens dort erklärt, dass da eine EU-Tierschutzrichtlinie umgesetzt wurde/wird deren Umsetzung für die Mitgliedstaaten logischerweise verpflichtend ist. Da haben in Spanien auch einige blöd geschaut, die der Meinung waren, dass es erlaubt ist.
Das einzig sinnvolle, wäre eine Anfrage auf Rechtsauskunft beim Ministry of Agriculture Directorate of Fisheries http://www.mps.hr/ribarstvo/default.aspx?id=425

Wer es genau wissen will, soll nachfragen, oder selber googeln. Die Einstellung, dass ich oder jemand anderes da den entsprechenden Gesetzestext oder Ähnliches raussuchen und verlinken soll, sonst sei es für denjenigen "erlaubt", finde ich schon etwas lustig. Ich bin jedenfalls nicht der für den ein Irrtum in der Sache Konsequenzen haben könnte.
Mann muss es sich selbst nicht unnötig schwer machen wenn man es genauso gut anderen unnötig schwer machen kann.

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von fuschlsee0 » 13.07.2016, 14:10

Zum Thema Akzeptanz anderer Moralvorstellungen.
Ethik und Moral sind keine gottgegebenen Bedingungen. Sie entwickeln sich und daher können sie sehr unterschiedlich in verschiedenen Regionen, Ländern, Kulturen ausschauen. Aber auch in einem Land/einer Kultur wird es immer unterschiedliche Ansichten geben und selbst in einer singulären Person verändern sich moralische/ethische Vorstellungen im Laufe des Lebens (bei manchen Menschen sogar innerhalb von Minuten :lol: )
Daher ist es nicht nur normal, sondern sogar notwendig über Moral / Ethik zu diskutieren. Nur der Diskurs kann Ethik weiterentwickeln. Gäbe es keinen Diskurs, wären wir womöglich noch immer Kannibalen.

Das schwierige an diesem Diskurs ist, dass Ethik gültig oder ungültig (also einfacher bezeichnet: wahr und falsch) nur im Rahmen der Logik kennt. Wenn etwas logisch stringent durchdiskutiert werden kann, dann ist es gültig. So lange, bis es durch bessere logisch richtige Argumente ersetzt wird.

Fazit: D.h. man kann/darf andere Moralvorstellungen nur dann akzeptieren, wenn diese eine überzeugende Logik in sich haben. Wenn von dieser Logik abgewichen wird, nur um sein eigenes Tun zu verteidigen, dann ist das Doppelmoral!

Moralkonflikte liegen dann vor, wenn die Moralvorstellung einer Person für diese Person logisch ist, für die andere Person und deren Hintergründe aber nicht. Das Beispiel mit den massenhaft gegafften Fischen etwa. Für die Menschen dort ist das moralisch legitim, weil Fische nicht als schonend zu behandelnde Lebewesen begriffen werden, sondern ganz einfach als Nahrung (wie ein Salathäupl etwa). Mit denen werde ich schwer darüber diskutieren können, dass der Fisch eigentlich vorsichtig aus dem Wasser genommen werden sollte, dann betäubt und dann mit Herzstich getötet werden muss. Das passt nicht in deren Logik. Es wäre so ähnlich, wie wenn wir bei der Salaternte über schonende Tötung diskutieren würde...

Was tun also: Nichts! Es bringt nichts! Den selbst gefangenen Fisch würde ich aber trotzdem so behandeln, wie ich es selber für richtig erachte. Würde ich jetzt auch einfach rausgaffen und zappeln lassen, dann würde ich meine eigene moralische Basis betrügen!

In einem gemeinsamem Wertesystem - also so unter uns österreichischen Fischern, die wir alle doch recht ähnliche Grundlogiken anwenden (z.B. Fisch möglichst schonen) - erachte ich es als moralische Pflicht (!) auf amoralische (weil logisch nicht stringente) Handlungen hinzuweisen (darum mische ich mich auch immer wieder ein).

Umgemünzt auf die bisherige Diskussion ist es daher völlig egal, ob es in einem Land erlaubt ist oder nicht: Wenn ich mit Lebendköder fische, muss ich das für mich moralisch in Ordnung sein. D.h., ich muss das logisch erklären können, warum das so ist. Örtliche Sitten und Gebräuche sind dabei nicht ausschlaggebend.

Anm.: Etwas ganz anderes ist es, wenn man selber wo dabei ist und nicht auskommt (weil das peinlich wäre, oder unhöflich, usw.) Dann muss man sagen, dass man es zwar gemacht hat, aber gegen eigene moralische Vorstellungen. Das kann einem immer passieren und man macht auch zuhause manchmal Dinge, wo man hinterher sagen muss: war eigentlich nicht o.k, von mir.

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von fuschlsee0 » 13.07.2016, 14:19

OHKW hat geschrieben:Wenn ich die ewig gleiche Diskussion mit den ewig gleichen Leuten führen will, kann ich mich gleich in eine Demenzstation einliefern lassen.

Wäre ein schöner neuer Name für dieses Forum: Demenzstation.at

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von Cathunter » 13.07.2016, 19:21

Man muss auch immer mal schauen wer zb die lebendfischerei verteufelt. ein karpfenfischer tut sich leicht zu behaupten er würde das nie tun :lol:
Zander und Hechtfischen, da geht auch der trend zum aktivfischen und c&r, da brauchst a nur a paar gummifischerl :roll:

Ich für meinen Teil hab mich von dem komplett abgenabelt und mich der faszination waller verschrieben.
wo vorher der lebende köder für mich über 25 jahre lang komplett unwichtig war, spielt er plötzlich eine rolle :idea:

Das verwenden des Lebendes Köfis ist im Ausland um Österreich grossteils erlaubt und ich hab damit auch kein problem.
der Fisch kommt bei mir ans Haar, und wenn kein Biss kommt darf er wieder schwimmen. Warum sollte ich den Köfi auch töten, nur um die minimale change auf einen biss zu haben.

Wenn jemand das nicht für sich veratworten kann, fischt er eh mit totem fisch oder würmer. etc
Der lebende Köfi wird in warheit so wenig verwendet das Diskussionen eh mehr heisse Luft sind.



C&r ist in meinen augen einfach ein resultat das angeln immer kommerzieller wird. die ausrüstung high tec, die gewässer immer mehr darauf ausgelegt, techniken imer besser. warscheinlich könnte keiner alle fische verwerten :mrgreen: ausser er will 3 mal täglich, 7 tage die woche karpfen :mrgreen:

kritisieren tu ich eigentlich keinen im Netz für Fotos etc, das einzige was ich nicht mag sind Fotos von übermästeten Boili Schweinen. wie kann ich stolz auf einen 30 kilo karpfen sein den beim hochheben fast die bauchdecke platzt. oder letztens hab ich mal ein foto vo einer englischen schleie gesehen die schon fettwülste an der schwanzflosse hatte. solche fische tun mir mehr leid :?

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von Gschitz » 13.07.2016, 21:56

gefällt mir das dDiskussionsthema. Ich hab in meiner Angellaufbahn genug lebende Köderfischerln verbraucht. Gott sei Dank ist das unter Jugendsünde gebucht und Geschichte. Mit lebenden Fischen zu fischen lehne ich ab - abgesehn von der Tierquälerei halt ich das einfach für einen schlechten Style.

Ich möchte hier etwas zur anglerischen Realität schreiben, wie das bei uns hier gehandhabt wird. Ich schätze, dass 90% der Raubfisch Angler in den Seen die ich befische mit lebenden Köderfisch angeln. Wie kann so etwas sein, werdet Ihr Euch fragen? Ganz einfach: Entweder es gibt keine Kontrollen, oder dem Aufseher ist es egal, weil es sein Kumpel ist. Da werden ungeniert am öffentlichen Schiffsanleger die lebenden Fischl angeködert und am tanzenden Stoppel schwimmen gelassen. Und die Jungen lernen das dann von den Alten. Auch Karpfenfischer mit Abhakmatte ausgestattet haben oft eine Angel auf Rauber draussen... natürlich mit einen lebenden Fischl. Ich möchte nicht wissen was mit einem Aufseher passiert, der probiert das abzustellen. Kann mir durchaus vorstellen, dass der Bewirtschafter den Aufseher dann entlässt, da dieser ja dann gegen seine Interessen arbeitet. die einzige Lösung aus dem Dilemma: die Fischereiaufsicht gehört vom Land oder Bund gemacht, dann könnt sich vielleicht was ändern.

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von Cathunter » 13.07.2016, 22:29

eigentlich ist doch die fischerei ansich ja tierquälerei, wenn sie nicht aus dem vertretbaren aspekt der nahrungsbeschaffung sieht. wenn ich also nur aus spass und hobby angeln gehe bin ich schon der selbe tierquäler wie der lebend fischer.

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von thetom444 » 14.07.2016, 08:57

Gefällt mir das es bisher keinerlei beleidigungen oder zurechtweisungen gab. Gute Diskussion, interessantes Thema.
Cathunter hat geschrieben:eigentlich ist doch die fischerei ansich ja tierquälerei, wenn sie nicht aus dem vertretbaren aspekt der nahrungsbeschaffung sieht. wenn ich also nur aus spass und hobby angeln gehe bin ich schon der selbe tierquäler wie der lebend fischer.
Dieser Meinung schließe ich mich vollends an. Einen eingefleischten C&R Carphunter kann man genauso als Tierquäler hinstellen wie einen der mit lebendigen Köderfischen angelt oder überhaupt angelt. Aber aus meiner Sicht darf jeder selbst entscheiden wie/mit was er angelt.
Mir persönlich wäre es zu schade meine Karte entzogen zu bekommen sollte ich mit lebendigen erwischt werden.
Auf der anderen Seite (und nach ein zwei :prost: ) habe ich es dennoch schon gemacht, und siehe da, von meinen paar hechten die ich in meinem leben gefangen habe (2 hände reichen aus ums zu zählen) habe ich genau 1 mit einem Wobbler gefangen und KEINEN mit toten KöFi.
Realität ist eine Halluzination die in Abwesenheit von Alkohol entsteht

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von regus » 14.07.2016, 09:12

Ich muss sagen dass mir mittlerweile sogar die Würmer leid tun die ich aufspieße am Haken. Wenn ich 15 Stück an die Welshaken hänge u nach Stunden ohne Biss einfach ins Wasser werfe hab ich kein gutes Gefühl. Trotzdem fische ich in Italien auch mit Lebendköder am Haar. Ohne dieser Möglichkeit würde ich gar nicht dort hin fahren.
Und ich schließe mich dem voll an: Für Aussenstehende sind wir alle Tierquäler wenn wir die Fische nur zu unserer eigenen Belustigung oder Befriedigung fangen. Wieder ein deutlicher Hinweis dass die eigene Sichtweise immer nur subjektiv ist. Wir sehen uns als fortschrittlich und korrekt an, der der zusieht bekommt alle Zustände ob unseres ungehörigen Verhaltens....

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Re: Akzeptanz, (Doppel-)Moral & unterschiedliche Ansichten

Beitrag von korsikaphil » 14.07.2016, 12:43

Cathunter hat geschrieben:eigentlich ist doch die fischerei ansich ja tierquälerei, wenn sie nicht aus dem vertretbaren aspekt der nahrungsbeschaffung sieht. wenn ich also nur aus spass und hobby angeln gehe bin ich schon der selbe tierquäler wie der lebend fischer.
Da hab ich oft drüber nachgedacht. Die neuen Erkenntnisse (?) zum Schmerzempfinden von Fischen schwächen meinen Eindruck des "Grundsätzlichen Quälens" deutlich ab. Wenn das stimmt was die Propheten erzählen (Arlinghaus ua), dann ist das "Quälen" der Fische vielmehr ein "Ärgern", weil Schmerz und Todesangst eben nicht vorhanden sind. Den Fisch zu drillen ähnelt dann in meinen Augen ziemlich der Hundeausbildung: dem Hund machts auch keinen Spass wenn er immer das tun muss was ich ihm befehle und auch mit Nachdruck einfordere, Angst oder Schmerzen hat er dabei aber nicht. Und ich kenne niemanden, der einen Hundeausbilder als Tierquäler bezeichnet hätte.

Der lebende Köderfisch dagegen hat möglicherweise keine Schmerzen, die Todesangst ist aber spätestens dann gegeben wenn die Hechtschnauze sich nähert. Somit ist das in meinen Augen eine Quälerei.
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