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"Das Boilie-Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade)

Forumspartner: Sito Baits

"Das Boilie-Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade)

Beitragvon doubleH » 17.03.2017, 08:00

„Das Boilie-Einmaleins“ – Kapitel 3


“Readys versus Selfmade”

Der letzte Beitrag endete mit der Feststellung, dass man bei gekauften Boilies auf gut Deutsch gesagt
nicht wirklich weiß, was drinnen ist. Es ist völlig legitim, dass der Hersteller nicht seinen exakten Mix bekannt
gibt, aber als Konsument wüsste ich schon sehr gerne, wie hoch der Protein-, Fett- und Kohlehydratanteil
der Boilies ausfällt.
Die Produktbeschreibung gibt bestenfalls einen Überblick, welche Hauptzutaten verarbeitet wurden, alles andere
sollte man mit gesundem Menschenverstand beurteilen. Tut man das nicht, ist die Gefahr sehr groß, in den Glauben
zu verfallen, soeben eine Wunderkugel erstanden zu haben, die, egal wann und wo sie ans Haar kommt, die
größten und die meisten Fische ans Band bringt.
Aber klar, die Kugel möchte an den Mann gebracht werden, und das geht nun mal nicht ohne entsprechende
Werbung und Aufmachung.


Betrachten wir also die Pillen der bekannten „Boilieschmieden“ nüchtern und ohne Vorurteile:

Am ersten Blick fällt meist die sehr gute Verarbeitung der Kugeln auf; da gibt es selten was zu meckern.
Als nächstes die Konsistenz, meist ein guter Kompromiss zwischen weich und hart; perfekt für den Einsatz geeignet.
Weiters werden die Wünsche bzgl. Größe und Farbe größtenteils erfüllt, das Angebot ist sehr groß und vielfältig.
In aller Kürze, die Jungs sind Profis und verstehen ihr Geschäft! :prost:

Wenn ich nicht irgendwo ein Haar in der Suppe finden würde, wäre dieser Beitrag bereits vorbei, daher kommen wir
zu den Punkten, die mir weniger gut gefallen:

Die Readys sind – mit ein paar Ausnahmen - für alle Einsatzgebiete aufgebaut, völlig egal ob für Winter oder
Sommer, für Still- oder Fließgewässer, geeignet als Hooker und als Futterboilie, für den Kurzansitz oder für den
72h-Einsatz am Haar.
Meiner Meinung nach ein Sammelsurium an unterschiedlichen und teilweise miteinander unvereinbaren Anforderungen,
das kann nicht funktionieren. Hmmm? :?:
Ein auf die jeweilige Anforderung speziell aufgebauter Boilie ist so einem „Allround-Ready“ in „seiner“ Disziplin überlegen.
Vielleicht zum besseren Verständnis ein Vergleich aus der Leichtathletik:
„Ein Zehnkämpfer ist in allen Disziplinen gut, hat aber gegen die Spezialisten in den jeweiligen Disziplinen das Nachsehen".

Ich habe schon viele Readys diverser Anbieter getestet, und gerade die Diffusion ist bei sehr vielen der große Schwachpunkt.
Dies ist ganz klar dem oben genannten Aufbau der Readys geschuldet. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Diffusion
eine wichtige Komponente für die Wahrnehmung des Boilies unter Wasser ist.


Zur Veranschaulichung ein Beispiel: ein16mm Ready der Firma ABC.
Lt. Herstellerbeschreibung „ganzjährig einsetzbar mit einer geradezu unübertroffenen
Instantwirkung“. Basis ist ein Vogelfutter-Milchproteinmix, keine Angabe über Protein- oder Fettgehalt.

Am ersten Blick könnte man diesen Boilie als Winterboilie einstufen, aber ohne das Wissen, wie viel Fett in der Kugel
schlummert, wird diese Annahme gefährlich. Böse wurde es aber, als die Murmeln 48h in einem kleinen Tank gebadet
wurden. Das Wasser zeigte nicht die geringste Veränderung geruchlicher/geschmacklicher Natur, und die Boilies
waren – obwohl nur 16mm klein – innen vollkommen trocken. Die Oberfläche war komplett versiegelt, da frage ich
mich, wo da die Instantwirkung sein soll? :o
Es gibt im Handel zwar vereinzelt spezielle „Instant Boilies“, aber selbst da ist genug Luft nach oben.

Ein weiterer Aspekt, der mir bei einigen Readys sauer aufstößt, ist der Preis.
Nicht vergessen, das Zeug wird tonnenweise vollautomatisch hergestellt, die Rohstoffe in entsprechend großen
Gebinden eingekauft, da darf 1kg 20mm Boilies keine EUR 15,00 kosten! Never!!!
Noch schlimmer ist es bei den Pop-Ups: die kosten, hochgerechnet auf 1kg, bis zu EUR 250,00 – da fehlen mir dann
echt die Worte. :evil:
Nur ein Vergleich, ein Kilo meines Pop-Up Mixes kostet unter EUR 15,00 – ein paar Eier dazu und ich habe
ca. 1,4kg Pop-Ups um unter EUR 18,00 :)

Der Vollständigkeit halber sei aber gesagt, dass dem Konsumenten der Großteil der Readys preislich günstiger kommt
als selbstgerollte Boilies, denn Anschaffungspreis für Geräte, Energie und vor allem die eigene „Arbeitszeit“ müssen
fairnesshalber berücksichtigt werden, anderenfalls hinkt der Vergleich „Readys versus Selfmade“.

Optional bieten die meisten Boilieschmieden auch ein "Rollservice" an, d.h. der Konsument kann sich selber einen
Mix zusammenstellen und sich die Kugeln rollen lassen, bzw. unterstützen die Firmen den Konsumenten bei
der Mixzusammenstellung. Ein durchaus guter Service, den viele Angler in Anspruch nehmen. Der Haken an der
Sache ist, dass man nicht weiß, ob wirklich frische Zutaten verarbeitet wurden, bzw. ist man bei den Zutaten
darauf angewiesen, was die jeweilige Firma im Sortiment hat.
Für einfach aufgebaute Mixe, für große Mengen (Futterboilies) usw, ist dieser Service sicher eine gute Option,
allerdings gilt es auch hier, den Preis des Produktes im Auge zu behalten.



Fassen wir kurz die Vor- und Nachteile der Readys zusammen:

+ Verarbeitungsqualität
+ breites Angebot
+ decken ein breites Spektrum an Anwendungsmöglichen ab
+ langjährig bewährt im Einsatz

+/- Preis

- Produktbeschreibung mangelhaft/teilweise irreführend
- in den meisten Fällen eine schlechte Diffusion
- fehlende Angaben über Protein-, Fett- und Kohlehydratanteil


Fazit:
Die meisten Readys sind pauschal betrachtet sehr gut, und mit ihnen wird seit etlichen Jahren
kontinuierlich gut gefangen.





Wer aber, so wie ich, seine Boilies individuell gestalten und entsprechend seinen eigenen Anforderungen
aufgebaut haben will, der wechsle die Seiten und werde „ein Roller“ :lol:




Zur Anschauung vielleicht ein kurzes Beispiel:

Zwei Freunde baten mich, einen aus meiner Sicht wirklich guten Boilie einer sehr bekannten Boiliebude
nachzubauen. Der Auftrag lautete, daß die Eigenkreation dem Original so weit wie möglich entspricht,
aber mit dem Unterschied, dass es eine Kugel für Kurzeinsätze werden soll, sprich ein Boilie mit einer schnelleren
Auflösung. Haltbarkeit am Haar: max 24 Stunden.

Links das Original, rechts meine Schöpfung (die Kugeln waren 20h im Wasser).

20170115_162825.jpg

20170115_163021.jpg




Wie man am unteren Foto unschwer erkennen kann, ist die Oberfläche der Eigenkreation schon gut aufgeweicht
und der Kern feucht; d.h. der Boilie weist eine entsprechende hohe Diffusion auf, was auch im Wasser deutlich
erkennbar (optisch und geruchlich/geschmacklich) war.



“Das Boilie – EinmalEins” – Kapitel 4…. coming soon!
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon ahriman » 17.03.2017, 08:41

Sehr fein.

Bei den Vor- und Nachteilen würde ich allerdings
doubleH hat geschrieben:- schlechte Diffusion
eher nicht pauschal sehen. Es gibt sicher welche - aber wohl auch genügend Beispiele wo's halbwegs klappt mit der Diffusion. Allerdings sehe ich dafür auch
doubleH hat geschrieben:+ langjährig bewährt im Einsatz
nicht uneingeschränkt positiv. Würd ich evtl. ein bissi umformulieren oder in Klammern setzen oder so...



Aber - so meine Kunden mich nicht daran hindern, wird heute einer Deiner Popups gebadet. 8)
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon doubleH » 17.03.2017, 08:59

Moin,

Du hast recht, bei der Diffusion habe ich das ein wenig umformuliert.

"langjährig bewährt im Einsatz" ist nicht auf eine einzelne Sorte eines bestimmten Herstellers bezogen, sondern
auf deren Sortiment. Wenn ihre Kugeln Schrott wären, wäre die Buden längst zu.

TL
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon Eastpark » 17.03.2017, 09:47

Dickes, Dickes Lob für deine Arbeit Helmut!

Für Anfänger und Fortgeschrittene eine wahre Bereicherung!

Natürlichen haben die "Spezis" auf Komplexere Themen gehofft, aber dann würde der Titel ja nicht "Einmaleins" sondern "achtundreißigsechsachtelmalelfdreisechzentel" oder so lauten ;)

Freue mich auf weitere Posts dazu!
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon doubleH » 17.03.2017, 10:15

Servus Eastpark,

Danke für die Blumen :prost:

Die kommenden Beiträge werden sicher den einen oder anderen Aspekt aufwerfen, der vielleicht nur wenigen
bekannt sein dürfte, aber wie du richtig sagst, kann die Geschichte nicht zu sehr in die Tiefe abdriften; dies
würde nicht jeden interessieren, bzw. würden wir da ins Reich der Spekulationen abtauchen.

Die Profis im Geschäft investieren sicher auch genug in die Forschung, aber es wird meiner Meinung nach ein
frommer Wunschtraum sein, einen Boilie zu kreieren, der IMMER fängt. Eigentlich sollte es in unserem
Interesse sein, dass diese Kugel nie das Licht des Tages erblickt, sonst hätten wir ein Thema weniger, über
das wir diskutieren können :lol: . Was wäre das Leben ohne einen Blank :mrgreen:

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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon TheKing1959 » 17.03.2017, 11:13

:D für den super bericht ,

ich war früher auch leidenschaftlicher selfmader ;aber jetzt bin ich auf ready umgestiegen,ist für mich einfacher und bequemer .
bin aber ein "Wechselwähler" verwende immer wieder andere Produkte und bin dabei eigentlich immer gut gefahren > mit einer ausnahme ok.<
wir sind chelsea und wer seit ihr?
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon doubleH » 17.03.2017, 12:05

TheKing1959 hat geschrieben::D für den super bericht ,

bin aber ein "Wechselwähler" verwende immer wieder andere Produkte und bin dabei eigentlich immer gut gefahren > mit einer ausnahme ok.<


Servus,

Hehe, hab ich in der Vergangenheit auch so gehandhabt, wobei ich eine Kugel immer mit hatte, egal was sonst noch ans
Wasser kam. Mein absoluter Favorit war/ist ein richtiger Klassiker von Terry Hearn himself, kannst dir sicher denken,
welche Kugel ich meine. :)
Mittlerweile nur mehr Selfmade; ist eben ein "Hobby im Hobby" geworden.

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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon doubleH » 17.03.2017, 12:12

doubleH hat geschrieben:Zwei Freunde baten mich, einen aus meiner Sicht wirklich guten Boilie einer sehr bekannten Boiliebude
nachzubauen. Der Auftrag lautete, daß die Eigenkreation dem Original so weit wie möglich entspricht,
aber mit dem Unterschied, dass es eine Kugel für Kurzeinsätze werden soll....



Apropos, gestern bekam ich die Nachricht, dass mein Nachbau einem meiner beiden o.g. Freunde einen prächtigen
Rüsselfisch mit knapp 20kg bescherte.

Fettes Petri an dieser Stelle :up2:
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon Robi_Wals » 17.03.2017, 13:42

Immer wiede ein paar neue Dinge, die ich nicht wusste! :danke:

doubleH hat geschrieben: Was wäre das Leben ohne einen Blank :mrgreen:


Die wohl beste Aussage über unser Hobby, danke dafür! :up2:
Fg und Petri Heil!!!

Robi
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon berger0109 » 17.03.2017, 19:32

Servus Helmut,

super Bericht, sehr lobenswert, dass Du soviel Zeit investierst :prost:
TL Thomas
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon rob gone fishing » 17.03.2017, 20:45

Robi_Wals hat geschrieben:Immer wiede ein paar neue Dinge, die ich nicht wusste! :danke:

doubleH hat geschrieben: Was wäre das Leben ohne einen Blank :mrgreen:


Die wohl beste Aussage über unser Hobby, danke dafür! :up2:



das leben ohne blank wäre ein schönes! so schööön.... :lol:
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Re: "Das Boilie - Einmaleins" - Kapitel 3 (Ready vs Selfmade

Beitragvon doubleH » 17.03.2017, 20:48

berger0109 hat geschrieben:Servus Helmut,

super Bericht, sehr lobenswert, dass Du soviel Zeit investierst :prost:


Danke Thomas, wir sind noch nicht mal bei der Hälfte :prost:

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