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"Das Boilie-Einmaleins" - Kapitel 5 (der Boiliemix)

Forumspartner: Sito Baits

"Das Boilie-Einmaleins" - Kapitel 5 (der Boiliemix)

Beitragvon doubleH » 21.03.2017, 06:54

„Das Boilie-Einmaleins“ – Kapitel 5


Der Boiliemix

Unter der Bezeichnung „Boiliemix“ versteht man die Summe aller Rohstoffe exklusive der Eier, aus denen der
künftiger Boilie bestehen soll. Der Einfachheit halber rechnet man einen Boiliemix in Kilogramm, die jeweiligen
Rohstoffe werden in Prozent angegeben.

Beispiel: unser Mix besteht aus 4 Zutaten
Zutat 1 = 40dag, Zutat 2 = 25dag, Zutat 3 = 30dag, Zutat 4 = 5dag

ein Kilo Mix berechnet sich dann wie folgt:
40% Zutat1
25% Zutat 2
30% Zutat 3
5% Zutat 4

Faustregel:
Aus einem Kilogramm Mix ergeben sich nach Zugabe der Eier ca. 1,4 Kilogramm Boilies.

Das Grundgerüst eines Boilies besteht hauptsächlich aus pflanzlichen Mehlen; diese sind unter anderen
für die Bindung zuständig und dienen als Kohlehydratlieferant. Als grobe Untergrenze empfehle ich hier
ca. 50%, bei Zugabe von Milchproteinen mit bindenden Eigenschaften kann dieser Wert auch deutlich
darunter liegen. Der Anteil der "Binder" sollte keinesfalls 30% unterschreiten.

Die verbleibenden Prozent bestimmen, welchen Mix man kreieren will, z.B. einen Fisch- oder einen
Birdfoodmix. Das heißt jetzt nicht, dass man die restlichen Prozent mit Fischmehl oder Birdfood auffüllt,
sondern dies beinhaltet auch etwaige Attraktoren.
Es ist weiters darauf zu achten, dass die maximale Dosierung der diversen Zutaten berücksichtigt wird,
sonst geht das Experiment schief. Ein zu fetter Mix lässt sich nicht mehr rollen und ist im Worst Case ein
Fall für die Tonne! :?

Beispiel für einen Fischmix:

45% Grundgerüst
40% Fischmehl
10% Vitamealo
5% Attraktor


Beispiel Birdfoodmix:

55% Grundgerüst
20% Birdfood yellow
10% Milchprotein (z.B. Lactalbumin)
10% Attraktor
5% Tigernussmehl

Beispielhaft wurden hier 2 einfache Mixe angeführt; oft liest oder hört man von Mixen mit
15 Zutaten, wobei da einige mit 1% dosiert sind. Ich halte persönlich gar nichts davon, was soll
1% einer Zutat im Mix bewirken?

Eine weitere, überaus wichtige, Voraussetzung bei der Mixzusammenstellung ist, wie sich der künftige Boilie
im Wasser verhalten soll, sprich ob es ein Boilie für z.B. 48h oder für Kurzeinsätze werden soll.
Für Kurzeinsätze empfehle ich, den Anteil der löslichen Zutaten entsprechend höher zu dosieren, da
dadurch die Diffusion gefördert wird (= höhere Lockwirkung), und der Boilie so und so keine 24h am
Haar halten muss. Wichtig für eine wirksame Diffusion sind aber nicht nur lösliche Zutaten, sondern welche,
die Struktur in den Boilie bringen (z.B. Birdfood, Hanf gemahlen).
Für echte Kurzeinsätze kann der Anteil der löslichen Mixzutaten durchaus mit 25% und höher dosiert werden,
wobei man bei solchen grenzwertigen Dosierungen jeden Mix einzeln betrachten muss. Oft ist es eine Spielerei
mit Minichargen, d.h. man rollt eine Miniprobe und ändert den Mix so lange, bis man das gewünschte Produkt
für extreme Kurzeinsätze, sprich einen Boilie mit einer extremem Auflösung bekommt.

Im Umkehrschluss sollte man aber überlegen, ob unter diesen Umständen der Boilie überhaupt noch die richtige
Köderwahl ist. :wink:



Wie in Kapitel 2 bereits angesprochen wurde, unterscheidet man Boilies aufgrund ihrer
Mixzusammenstellung in:

• HNV Boilies (High Nutritional Value)
• Kohlehydratboilies
• Milchproteinboilies


Auch dieser Umstand muss bei der Mixzusammenstellung unbedingt beachtet werden, denn die jeweiligen Boilies
unterscheiden sich erheblich bezüglich ihrer Protein-, Fett- und Kohlehydratanteilen.

Folgende ungefähre Richtwerte sollten dabei beachtet werden:

HNV Boilie
Proteinanteil: 40-45%
Fettanteil: 10-15%
Kohlehydratanteil: 25-30%

Kohlehydratboilie

Proteinanteil: 25-30%
Fettanteil: 5-10%
Kohlehydratanteil: 35-40%

Milchproteinboilie
Proteinanteil: 45-50%
Fettanteil: 5-7%
Kohlehydratanteil: 20-25%


Warum sind aber diese Werte (=Nährwerte) so wichtig?

Renommierte Wissenschaftler wie z.B. Fred Wilson oder Prof. Arlinghaus haben erforscht, dass der Karpfen
Proteine und Fette wesentlich besser verdauen kann als Kohlehydrate; vor allem im Winter ist dieser
Umstand zu beachten. Im Winter sollte man daher unbedingt auf Milchproteinboilies zurück greifen, da
diese nicht nur einen niedrigeren Kohlehydratanteil aufweisen, sondern auch einen niedrigeren Fettanteil,
und den Karpfen dadurch weniger schnell sättigen.

Jedem Angler sollte dieser Umstand bewusst sein, bevor gedankenlos eine Kugel nach der anderen im
Wasser versenkt wird. Man schadet dadurch nur dem Gewässer und den Fischen, daher lautet
meine Devise: „weniger ist mehr“; dies gilt ganz besonders dann, wenn ich über den Bestand eines
Gewässer nicht Bescheid weiß. :!:

Im folgenden Kapitel mit den Mixzutaten kann man die für die Mixzusammenstellung erforderlichen Werte
herauslesen und den Mix danach entsprechend berechnen. Durch die Zugabe von Eiern verändern sich
diese Werte zwar, allerdings nur geringfügig, da Eier zu 75% aus Wasser bestehen.
Pauschal betrachtet weist der fertige Boilie dann einen leicht höheren Protein- und Fettanteil auf, sowie
einen leicht niedrigeren Kohlehydratanteil.
Exakt berechnen lassen sich die Werte aber nur schwer, da nicht jeder Kilogramm Boiliemix die gleiche Anteil
an Eier benötigt.
Gute Dienste leistet hier ein Mixrechner (da gibt’s einige im Netz), vor allem solche, die die Anzahl der Eier
gleich mit berücksichtigen!


Fazit:
Zur richtigen Zeit am richtigen Platz wird jede Kugel fangen, aber wie schon erwähnt
sollte ein Mindestmaß an Verantwortungsbewusstsein an den Tag gelegt werden.
Unsere Gewässer und die Fische sind immer über den persönlichen Erfolg zu stellen!


Im folgenden Kapitel 6 findet ihr eine umfangreiche Aufstellung und Beschreibung über einen
Großteil der verwendeten Mixzutaten. Diese Aufstellung ist sicher sehr hilfreich für die Zusammenstellung
eines eigenen Mixes.
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Re: "Das Boilie-Einmaleins" - Kapitel 5 (der Boiliemix)

Beitragvon doubleH » 21.03.2017, 07:10

Nachdem Kapitel 6 eine reine Aufstellung von Mixzutaten ist, werde ich diesen Beitrag gleich im Anschluss
veröffentlichen.
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