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Tipps und Infos für Kroatien

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Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon *Chorche* » 14.08.2016, 17:31

Nachdem oft in Angelforen Fragen wie "Hey, ich fahre nach Kroatien, was soll ich zum Fischen mitnehmen" auftauchen, dachte ich mir, dass ich mal meine gesammelten Erfahrungen in einem eigenen Info-Thread niederschreiben könnte. Die folgenden Infos sind eine Mischung aus selber von mir gemachten Erlebnissen und Wissen meiner kroatischen Freunde, die die Gewässer seit Jahrzehnten befischen.

Rechtliches & Bestimmungen:

Zuallererst die Frage aller Fragen: JA, MAN BRAUCHT EINE LIZENZ! Diese kann man entweder in Touristeninfos oder Hafenämtern kaufen oder hier http://www.mps.hr/Ribarstvo/default.aspx?id=71 online buchen. Zur Umrechnung: eine Woche kostet je nach Wechselkurs zwischen 40 und 50 Euro. Es lohnt sich absolut, die Lizenz zu nehmen, gerade wenn man vom Boot fischt wird man oft kontrolliert, am Ufer seltener, es kann jedoch immer mal passieren und wird dann so richtig teuer (inklusive Entziehung des Geräts etc.).

Es gibt Mindestmaße, die ändern sich allerdings oft, also ist es besser, diese direkt vor Ort bei Küstenwache oder Hafenämtern zu erfragen. Die meisten Maße sind allerdings so niedrig angesetzt, dass wir uns eigene Maße auferlegt haben, um keine Babyfische zu entnehmen. Im Wesentlichen gilt für uns: alles was kleiner als meine Hand ist, geht zurück.

Thunfisch und Schwertfisch sind ab 2017 für alle außer die wenigen Kroaten mit ICAAT-Lizenz geschont und müssen released werden.

Man darf mit der Lizenz in Kroatien im Meer mit 2 Handangeln mit bis zu drei Seitenarmen fischen.

Im Folgenden Abschnitt möchte ich auf ein Paar Methoden und Fischarten spezifischer eingehen.

Hochseefischen:

Das Hochseefischen in Kroatien ist eine Sache, für die man ein wirklich gutes und stark motorisiertes Boot braucht, da oft starke Winde ("Bura") plötzlich auftreten können - dabei gibt es leider immer wieder Todesfälle von unvorsichtigen oder zu schlecht ausgerüsteten Anglern.

Ich würde empfehlen, bei der ersten Hochseetour sich in die Hände von erfahrenen Skippern (z.B. Abyss in Rovinj, ForTuna in Zadar oder eines der Boote in Murter) zu begeben - zahlt sich wirklich aus.

Und bitte generell auf keinen Fall Stahlvorfächer verwenden, erstens haben sie eine extreme Scheuchwirkung und zweitens verletzten sie Großfische (insbesondere Schwertfisch) so stark, dass ein Releasen unmöglich wird.

Für das Fischen auf Thun, Schwert- und Speerfisch benötigt man eine seperate Lizenz, die ebenfalls auf der oben genannten Seite gebucht werden kann - allerdings ab 2017 Catch & Release only ist.

Schwertfisch:

Der echte Schwertfisch (Xiphias gladius) ist wohl einer der absoluten Traumfische aller Hochseefischer. In Kroatien ist er zwar nicht häufig, wird aber doch regelmäßig gefangen (mir war bislang einer vergönnt).

Ein gezieltes Fischen auf Schwertfische in Kroatien lohnt sich wohl kaum, denn die meisten werden als Beifang beim Tuna-Driften oder beim Dentex/Amberjackfischen mit Kalmar gefangen.

Die einzige wirklich gezielte Möglichkeit zum Schwertfischangeln ist das Fischen mit Kalmar in der Nacht. Dazu wird ein großer Kalmar an einem mit Knicklicht beleuchteten Vorfach in der Nähe eines Unterwasserberges auf Tauchstatiob geschickt - die entsprechenden Montagen kann man online unter dem Stichwort "Schwertfisch-Vorfach" kaufen. Allerdings wird in Kroatien im Schnitt 8-15 Tage gezielt für einen Schwertfisch gefischt - und selbst da sind die meisten Zufallsfänge...

Schwertfische sind ganzjährig geschont und dürfen weder aus dem Wasser geholt noch entnommen werden. Müssen immer released werden!

Zum Zurücksetzen eine Bitte: bitte weder ins Boot holen noch länger am Schwert festhalten, beides ist für den Fisch gar nicht gut - genauso wie Stahlvorfächer.

Gerät: mindestens 50lbs Big Game-Gerät, besser 80 lbs.

Bild
Hier ein 2,5 Meter Schwertfisch, gefangen im Juli 2016 von mir bei Pula.

Bluefin-Tuna:

Der Blauflossen-Thunfisch (Thunnus thynnus) ist wohl der am "einfachsten" zu fangende Fisch der kroatischen Big Game-Fische. Diese Fische werden bis 3 Meter lang und locker 400 Kilo schwer, und sie sind unglaublich kampfstark.

Die beste und einfachste Methode ist das Driftfischen. Dazu nehme man ein Boot, eine Big Game-Ausrüstung und 20 Kilo Sardinen. Nun füttert man kleingeschnittene Sardinen an und bringt an einer Montage mit folgender Zusammensetzung Hauptschnur-Luftballon-Hauptschnur-50gBlei-Vorfach-Circle Hook mit Köderfisch seine Köder in der Futterspur aus, am besten gestaffelt in Tiefen von 10-40 Meter. Die besten Köderfische sind Bastardmakrelen und Makrelen, die im Nacken ageködert werden. Es wird während des gesamten Angelns beständig nachgefüttert.

Bluefins lassen sich aber auch mit Poppern und Stickbaits fangen, vor allem wenn man eine Feeding Frenzy erwischt stehen die Chancen sehr gut. Während Thune bis 60, 70 Kilo am Popper-Gerät noch gut gedrillt werden können und am Big Game-Gerät meist schnell am Boot sind, sind Fische über 100 Kilo eine echte Herausforderung und gehen oft verloren.

Bluefin-Tuna ist ganzjährig geschont, nur 12 kroatische Charterkapitäne mit ICAAT-Lizenz dürfen sie entnehmen. Die Fische dürfen von uns Hobbyanglern weder ins Boot geholt noch entnommen werden.

Geräteempfehlung: Big Game-Tackle mit mindestens 50lbs, ideal sind 80lbs, wenn in der Nähe von Fischfarmen gefischt wird haben auch 130lbs ihre Berechtigung. Beim Poppern kann man in etwa das Gerät nehmen, das in den Tropen auf Giant Trevally eingesetzt wird.

Bild
Mein mit 60 Kilo persönlich größter Thun, aus Rovinj.

Spearfish:

Der Mittelmeer-Speerfisch (Tetrapturus belone) ist der einzige Vertreter der Marline in der Adria. Die Fische sind selten und werden praktisch nie gefangen, wenn dann meistens beim Schleppen auf Goldmakrelen oder Bonitos als Beifang - Tipps deswegen unter "Goldmakrele".

Geschmacklich ist er gut, am besten als frisches Sushi!

Bild
Speerfisch hatten leider weder ich noch meine Freunde bisher - deswegen hier eine Symbolgrafik.

Amberjack

Der Amberjack oder die große Bernsteinmakrele (Seriola dumerilii) ist die größte Stachelmakrele des Mittelmeeres. Amberjacks halten sich klassischerweise in der Nähe von Unterwasserbergen auf und werden am Besten beim Speedjiggen gefangen. Dazu nimmt man breite, schwere Speedjigs und führt diese schnell und hektisch über Unterwasserbergen. Eine absolut brutale und kraftzehrende Angelei, die ich persönlich überhaupt nicht mag - wer will kann bei Youtube "Speedjigging" eingeben und sich das mal ansehen ;-)

Ich bevorzuge eher die zweite Methode - Panula -, mehr dazu unter "Dentex".

Gerät: 20-30lbs sind ideal.

Bild
Hier ein schöner AJ aus Zadar, gefangen von einem Bekannten.

Goldmakrele:

Die Goldmakrele oder Mahi-Mahi (Coryphaena hippurus) ist ein einzigartiger und sehr kampfstarker Fisch, der in Kroatien ausschließlich im Sommer anzutreffen ist. Mahis sind meistens in Trupps unterwegs und oft sehr gierig - meistens werden sie beim Schleppen auf Fransenköder an der Oberfläche oder auf Sicht auf Naturköder gefangen.

Das Schleppen ist Simpel, einfach die Fransenköder hinter dem fahrenden Boot schleppen und auf den Biss warten. Gelegentlich gehen bei dieser Angelei auch Little Tunnys und Bonitos sowie Speerfische an den Haken.

Oft werden beim Driften auf Thunfisch Mahis von der Futterspur angelockt, wenn man einen sieht, einfach an einem Circle Hook einen kleinen Köderfisch servieren, die Fische nehmen sie praktisch immer!

Gerät: 12-20 lbs, wenn gerade Speerfische in der Gegend sind auch mal 30lbs.

Bild
Schöne Goldmakrele aus der Kornatengegend.

Little Tunny:

Der kleine Thunfisch oder Little Tunny (Euthynnus alleteratus) ist eine kleinere Thunfisch-Art, die oft in großen Schwärmen auftritt. Wenn sie mal da sind, kann man sie mit allen Methoden von Driften, Schleppen mit Fransenködern, Schleppen mit Wobblern, Spinnfischen etc fangen, das spielt dann keine Rolle. Ideal sind März und April, da fängt man sie dann am einfachsten auf geschleppte Wobbler und Köderfische.

Gerät: 20lbs sind ideal.

Bild
Hier zwei kleine Little Tunnys beim Spinnen.

Albacore:

Der Albacore oder weiße Thunfisch (Thunnus alalunga) ist leicht an seine langen flügelartigen Brustflossen zu erkennen. Er ist eher im Sommer anzutreffen, von den Methoden her gilt das selbe wie für Little Tunnys - wenn sie da sind, fängt man sie immer.

Sie kommen aber seit 2014 - warum auch immer - kaum mehr nördlich von Dubrovnik vor.

Sie sind geschmacklich ein Traum, das helle Fleisch gehört zum besten, was das Meer zu bieten hat!

Bild
Albacore, gefangen von einem Freund bei den Kornaten.

Dentex:

Der Dentex odee Zahnbrasse (Dentex dentex) ist die größte Meerbrassen-Art. Dentex fängt man am Besten mit der Panula-Methode, das ist langsames grundnahes Schleppen mit Kalmaren als Köder, am besten nahe an markanten Unterwasserstrukturen. Dazu nimmt man eine spezielle Schnur, an der viele kleine Bleioliven in einer Kette den Köder auf Tiefe bringen.

Auch das grundnahe Driften mit Kalmaren ist oft erfolgreich, allerdings hat man da auch sehr viele Beifänge.

Gerät: für das gezielte Panula-Fischen ist 20lbs Gerät bei weitem ausreichend, beim Driften verwenden wir zur Sicherheit Gerät mit 50lbs, da von Thunfischen bis hin zu Schwertfisch alles als Beifang einsteigen kann.

Bild
Ein richtig fettes Speedjigging-Dentex aus dem Kornatengebiet (Fang eines Kollegen).

Leerfish:

Der Leerfish, Palometa oder große Gabelmakrele (Lichia amia) ist eine große Stachelmakrelen-Art, die am leichten Gerät verdammt gut kämpft und ein spannender Sportfisch ist.

Leerfish fängt man meiner Meinung nach am besten, wenn man küstennahe driftet und mit kleinen Köderfischen an einer Luftballonmontage fischt. Sie sind gelegentlicher Beifang beim Schleppen und beim Thunfischangeln, sind aber insgesamt eher selten, so dass sich das gezielte Fischen nur selten lohnt.

Gerät: 20 lbs ist bei weitem ausreichend.

Bild
Ein wirklich schöner Leerfish eines Freundes aus Rovinj.

Bluefish:

Der Bluefish oder Blaubarsch (Pomatomus saltatrix) ist ein Fisch, der sich durch drei Eigenschaften auszeichnet: er hat rasiermesserscharfe Zähne (sobald er einmal die Schnur im Maul hat, ist er de facto schon verloren), er springt im Drill andauernd und er ist immer dann anzutreffen, wenn man ihn eigentlich nicht haben will.

Bluefish beißen auf alles, wir haben sie schon auf 30cm-Makrelen beim Thunfischangeln, Fransenköder beim Schleppen, kleine Köfis beim Leerfishangeln und beim leichten Spinnfischen gefangen. Generell sind sie entweder in Massen da oder gar nicht da - entweder man fängt bei jeder Methode unmengen, oder gar keine.

Entnahme lohnt sich nicht wirklich, es gibt kaum einen Fisch der so unmöglich viele Gräten hat! Wir halten es so: wenn möglich, zurücksetzen, ansonsten werden dann meistens Fetzenköder draus.

Auch vom Ufer kann man sie gelegentlich fange, mehr dazu unten.

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Bluefish on the Rocks.

Hochseehaie:

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu den Hochseehaien in Kroatien: im wesentlichen sind das der Blauhai (Prionace glauca), der Fuchshai oder Thresher (Alopias vulpinus) und selten der Heringshai (Lamna nasus). Alle diese Haie gehen gelegentlich als Beifang beim Thunfisch-Driften an den Haken und müssen zurückgesetzt werden - sie dürfen auch nicht ins Boot geholt werden, sondern müssen im Wasser verbleiben. Sollte es nicht möglich sein, den Haken zu entfernen, ist die Schnur direkt am Maul abzuschneiden.

Überwiegend werden Blauhaie gefangen - genaue Tipps dazu gibts hier von mir nicht, da die Haie sowohl sehr selten als auch geschützt sind. Bitte Haie, solltet ihr sie beim Boot haben, niemals gezielt anwerfen - sie sind erstens relativ emfindlich und zweitens streng geschützt - die Küstenwache versteht da zu recht keinen Spaß!

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Etwa zwei Meter langer Blue aus Rovinj.

Das küstennahe Fischen vom Kleinboot:

Mit kleinen Booten kann man küstennahe durchaus gute Erfolge erzielen. Dabei gibt es vier wesentliche Methoden:

Paternoster mit Calamari:

Ein Paternostermontage mit Calamaristücken als Naturköder ist ein super Methode auf Rotbrasse (Pagellus erithrynus), Geißbrassen, Streifenbrassen, Goldbrasse und auch Petermännchen, Sägebarsch und andere kleinere Grundfische.

Dazu nimmt man eine Paternostermontage mit circa 0,30er Schnur und 4er Haken mit einem schweren Blei. Das lässt man bei Strukturen (Felsen, Wracks) bis zum Grund ab, hebt die Montage dann ca einen Meter an und lässt eine Rute so liegen und jiggt die Montage mit der anderen langsam. Die Bisse machen sich durch deutliche Rucke an der Rutenspitze bemerkbar. Meistens fängt man an der ruhig liegenden Rute Gelbstriemen, Petermännchen und Barsche und an der bewegten verschiedene Meerbrassen.

Bild
Hier beispielsweise eine Rotbrasse.

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Und hier ein Schriftbarsch.

Makrelenpaternoster:

Das Fischen mit dem Makrelenpaternoster hat drei Einsatzbereiche:

1. Wenn man über einem Felsen oder Wrack steht (am besten sind Wracks) dann kann man die Makrelenpaternoster ablassen und kommt oft bei jedem Wurf mit einem Full House an Bastardmakrelen herauf.

2. wenn man am Echolot Fischschwärme sieht, kann man mit dem Paternoster Bastardmakrelen, Makrelen und manchmal auch Sardinen fangen.

3. beim langsamen Schleppen eines Paternosters kann man neben den oben genannten Makrelenarten auch manchmal Hornhechte fangen.

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Hier einer der berühmten Stöcker/Bastardmakrelen.

das Schleppen mit Blinkern und Wobblern:

Man kann vom Kleinboot küstennahe mit schlanken Blinkern oder schlanken Minnows schleppen, alternativ kann man auch kleine Köderfische verwenden. Man fängt dabei meistens Hornhecht, machmal Makrelen und mit viel Glück auch mal einen Atlantischen Bonito (Sarda sarda) oder einen Unechten Bonito (Auxis thazard). Auch Leerfish wird bei dieser Methode selten als Beifang erwischt.

Empfohlenes Gerät: Hecht- oder Karpfengerät hat genau die richtige Größenordnung für die drei genannten Angelarten.

Bild
Das sind die - meist recht klein bleibenden - Hornhechte.

Das Fischen auf Brandbrassen

Brandbrassen oder Obladas sind Meerbrassen , die extrem kampfstark sind und extrem gut schmecken. Es hat sich bewährt, mit Brot anzufüttern, bis ein Schwarm beim Boot ist, und diese dann an einer Montage mit Wasserkugel, langem dünnem (0.16mm) Vorfach und kleinem Haken mit Calamaristückchen oder Brotflocke als Köder zu befischen.

Passendes Gerät dafür ist Forellen- oder Barschgerät.

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Eine schön kampfstarke Brandbrasse.

Das Fischen vom Ufer:

Congerfischen:

Das Fischen auf Conger/Meeraal (Conger conger) ist bei weitem das Brutalste, was man an Kroatischen Ufern machen kann. Man braucht dazu eine starke geflochtene Schnur, ein schweres Blei, ein wirklich starkes (35kg +) Stahlvorfach und einen starken Einzelhaken. Als Köder dienen große Fischfetzen (am Besten Makrele). Der beste Platz sind Häfen, wo wir uns die tiefste Stelle suchen und den Köder in der Nacht einfach ein bis zwei Meter vor der Hafenmauer bis zum Grund ablassen.

Bei einem Biss wird 3-5 Sekunden gewartet, dann sofort angeschlagen und der Fisch kompromisslos zur Oberfläche gedrillt. Zum Landen empfiehlt sich ein Gaff oder ein Lipgrip.

Gelegentlich werden Muränen als Beifang erwischt.

Conger schmecken sehr gut, besonders geschmort und gedünstet, aber Achtung: rohes Congerblut ist giftig! Und nochmal Achtung: die Viecher können wirklich heftig beißen.

Das Gerät muss mindestens starkes Hechtgerät sein, ideal ist das, was man hierzulande zum Wallerfischen verwendet.

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Conger mit 1,42m, grade mal einen Meter vor der Hafenmauer gefangen.

Spinnfischen vom Ufer

Man kann bei Steilküsten auch vom Ufer spinnen, bevorzugt mit schlanken Wobblern und Blinkern. Gefangen werden dabei Stachelmakrelen, Wolfsbarsch und manchmal Hornhecht oder Bluefish. Ist aber eine Methode, die viel Zeit frisst und vergleichsweise wenig Erfolg bietet.

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Einer der seltenen Erfolge - kleiner Wolf.

Leichtes Posenangeln und Grundfischen

Beim leichten Posen- und Grundfischen mit Calamari als Köder fängt man im Wesentlichen alle Arten von Kleinfischen - macht Spass, ist aber nicht allzu effektiv was Speisefische angeht - ist dann doch meistens eher die "Spielzeuggröße".

Lippfische, kleine Meerbrassen, Grundeln, Mönchsfisch,...

Dazu gibt vier Hauptmethoden:

eine Karpfenrute mit einer Paternostermontage mit Calamaristückchen, am Grund abgelegt, bringt Grundeln, kleine Meerbrassen und machmal Petermännchen oder Drachenkopf.
Die selbe Methode an einem Sandtrand angewendet bringt Petermännchen und Plattfische.

Eine Posenmontage mit Waggler und langem dünnem (0,14er) Vorfach und einem Calamristück als Köder (angeboten in ca 4-5 m Tiefe in tiefen Häfen oder an der Steilküste) bringt Gelbstriemen, kampfstarke und gut schmeckende Fische.

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Eine Gelbstriemen-Ausbeute von einer Stunde fischen.

Das "Spassfischen" mit freier Leine an der Hafenmauer bringt alle Arten an Kleinfisch, darauf gehe ich jetzt nicht genauer ein.

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Hier ein klassischer "Spassfisch".

Und dann gibt es da noch die Meeräschen. Mit Brotbrei anfüttern, dazwischen eine feine Posenmontage mit Brotflocke - und fertig. Das funktioniert immer :up2:

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Schöne Meeräsche, gefangen von einem meiner Lehrmeister in Porec.

Wichtige Warnhinweise:

Giftige und gefährliche Fische:

Haie, egal ob groß oder klein, haben messerscharfe Zähne - es versteht sich von selbst, dass man da vorsichtig ist. Lange Lösezange verwenden und bei geschluckten Haken mit einer langen Schere direkt am Maul abschneiden!

Petermännchen sind die wohl gefährlichten Fische für Angler in Kroatien. Die unscheinbaren kleine Grundfische haben Giftstacheln, die mehrere Tage anhaltende höllische Schmerzen und Kreislaufprobleme verursachen. Handschuhe schützen nicht, die stechen da meistens durch. Am besten mit einer langen Zange lösen und ins Wasser platschen lassen oder bei einer Entnahme sofort nach dem Töten die erste Rückenflossen, die Bauchflossen und die Kiemendeckel wegschneiden - denn dort sitzt das Gift. Bei einem Stich unbedingt einen Arzt aufsuchen.

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Das ist ein Petermännchen - DIESEN FISCH UNBEDINGT MERKEN!

Drachenköpfe sind schmackhafte und teure Speisefische, die man gelegentlich als Beifang beim Grundangeln erwischt. Sie haben an der Rückenflosse, am Kiemendeckel und an Bauch- und Afterflossen kräftige Giftstacheln. Das Gift ist sehr stark (bedenkt: sie gehören zur selben Familie wie die tödlichen Steinfische!), und auch wenn keine Todesfälle bekannt sind, ist der Stich absolut kein Spaß und bewirkt, dass man in Zukunft einen meterweiten Abstand zu Drachenköpfen einhält :oops: am besten mit einem Handschuh per Barschgriff fest im Maul festhalten bzw nach dem Töte sofort die Flossen entfernen. Bei einem Stich sofort zu Arzt!

Übrigens - der Drachenkopf ist ungekocht giftig - immer gut durchgaren!

Bild
Wenn ihr so einen Drachenkopf dranhabt - höchste Vorsicht!

Conger und Muränen haben eine Gemeinsamkeit: sie sind Aalförmig und beißen gerne, wenn sie an Land sind. Während ein Congerbiss nur weh tut, haben Muränen einen giftigen Speichel und die Wunden entzünden sich oft oder verursachen eine Blutvergiftung.

Sowohl Conger als auch Muränen sind ungekocht giftig, immer gut durchgaren!

Schwertfische werden gemeinhin unterschätzt, doch ein wütender Schwertfisch ist kein Spaß! Das Schwert ist spitz und hat scharfe Kanten - und sie schlagen wild damit herum! Deswegen beim Zurücksetzen entweder den Haken mit Zange entfernen oder die Schnur ganz kurz abschneiden.

Bluefish sind zwar meistens klein, haben aber ein messerscharfes Gebiss - NICHT IM MAUL ANFASSEN und NICHT BEIßEN LASSEN! Da kann schon mal ein Finger verloren gehen...



Das waren mal fürs erste meine Erfahrungen, vielleicht kann man damit dem einen oder anderen helfen :-)

Bei weiteren Fragen stehe ich natürlich gern für Infos zu Verfügung!

LG

Edit: Bilder hinzugefügt.
Zuletzt geändert von *Chorche* am 14.01.2017, 11:47, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon Sixpack » 14.08.2016, 17:58

Sehr umfangreich und informativ - vielen Dank für den exzellenten Artikel! :up2:
"Ist mir egal wer dein Vater ist - so lange ich hier fische, geht niemand übers Wasser!"
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon regus » 15.08.2016, 00:26

Wunderbar!! Super Ausführungen. Wird mir und vielen anderen helfen.
Danke, LG Gernot
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon ubik » 15.08.2016, 10:14

Danke für die mühe das alles zusammenzufassen. Könnte man ja im meeresunterforum anpinnen.
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon *Chorche* » 15.08.2016, 11:12

Danke für das Lob :danke:

Wenn ein Mod/Admin das anpinnen würde, würd ich mich sehr geehrt fühlen :up2:

Werde bei Gelegenheit (bin derzeit viel am arbeiten) noch genauere Infos zu ein paar meiner Lieblingsfischarten und Methoden (Thun, Panula, Uferfischen in Häfen) hinzufügen ;-)

Wie gesagt, falls noch Infos gewünscht sind - einfach nachfragen!
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon TheCK » 15.08.2016, 11:32

Danke für die umfangreiche Zusammenfassung!

*Chorche* hat geschrieben:Wenn ein Mod/Admin das anpinnen würde, würd ich mich sehr geehrt fühlen :up2:

Dann fühle dich geehrt, der Thread hat es auf jeden Fall verdient!
LG
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon *Chorche* » 15.08.2016, 11:33

Danke :up2: freut mich wirklich, dass die Zusammenfassung so gut ankommt :-)

Werde ans Ende des Beitrags wie gesagt in nächster Zeit noch einiges Ergänzen.
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon *Chorche* » 09.01.2017, 11:25

edit-9.1.2017:

Seit dem 1.1.2017 gelten in Kroatien neue Regelungen. Die Mindestmaße und Schonzeiten bleiben unverändert, doch gibt es zwei wichtige Neuerungen:

1. wer ohne die Big-Game-Lizenz mit einsatzbereitem Big Game Tackle an Bord kontrolliert wird, zahlt ordentlich Strafe - bisher mussten sie einen dafür beim Fischen selbst erwischen (als einsatzbereit gilt eine - aich unbeköderte - fertig montierte Rute mit Schnur und Haken).

2. Thunfisch und Schwertfisch sind seit dem selben Datum für Hobbyangler (also alle Angler außer den 12 ICAAT-Kapitänen) ganzjährig geschont und es gilt Catch & Release only. Sie müssen, egal ob verletzt oder unverletzt, sofort released werden und im Wasser verbleiben, dürfen also nicht ins Boot geholt werden.

Soweit ich weiß sollen zum Schwertfischschutz auch die Hochseelongliner stark eingeschränkt werden, das wäre eine toller Schritt. Darüber mehr, sobald ich mehr Infos bekomme.

Ich persönlich begrüße die C&R-Regelung für Schwertfisch sehr, beim Thun bin ich gespaltener Ansicht. Wer nachlesen will, wieso diese Maßnahme beim Schwertfisch notwendig wurde:

http://www.biggame4u.net/show.aspx?autologin_user=&autologin_pw=&id=6646&cat=1&language=de
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon regus » 09.01.2017, 16:13

Sind damit alle Thune gemeint, also auch die kleinwüchsigen Arten?
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon *Chorche* » 09.01.2017, 16:21

Nein, unter "Tuna" wird im Kroatischen nur der Bluefin (Thunnus thynnus) verstanden.

Albacore, Little Tunny, Bonitos usw kann man weiter mit der kleinen Lizenz entnehmen. Die große Lizenz benötigte man immer schon nur für Bluefin und Schwertfisch.

Wobei die Albacores eh kaum mehr auftreten, seid es wieder viele Bluefins gibt - also aus der Gattung "Thunnus" kommt eigentlich nur mehr der Bluefin regelmäßig vor.
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon Taurinus » 11.01.2017, 07:45

Zu der Regelung mit der Rute an Board sag ich jetzt mal nichts... Gibt bestimmt einige die Ausrüstung auf einen längeren turn mitnehmen und dann doppelt abkassiert werden. Z. B. Man ist 2 Wochen unterwegs. Für eine Woche ist fischen geplant und wenn man es nicht weiß hat man die restliche Zeit die Ausrüstung irgendwo liegen. :la ola:


Super Beitrag übrigens!

In Zukunft möchte ich etwas mehr spinnfischen. Hast du Köderempfehlungen?

Viele Grüße
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon *Chorche* » 11.01.2017, 08:58

Naja das mit der Rute an Bord ist ja einfach zu lösen, indem man die Rute und Rolle voneinander getrennt lagert - so ist man safe und keiner kann von einsatzbereitem Gerät sprechen.

@Spinnfischen:

Das kommt immer auf deinen Zielfisch an - aber grundsätzlich ist das Beste wenn du dich an eine Steilküste mit möglichst tiefem Wasser stellst, am besten in der Morgen- und Abenddämmerung - und dann mit Köderrn fischt, die einfach weit zu werfen gehen. Das Modell ist eigentlich nebensächlich, das wichtigste ist eine Silbrig-Blaue Farbe (nachts auch Schwarz) und eine schnelle Köderführung.

Schlanke Blinker, schlanke Weitwurfwobbler, halt alles was sich weit werfen lässt. Deine Beite wird vermutlich eher spärlich ausfallen, das Spinnen ist jedenfalls nicht die Beste Methode in Kroatien.

Hauptfische werden, wenn du die Köder in Oberflächennähe fischst, Bluefish und Hornhecht sein, wenn du sie grundnäher führst kleinere Stachelmakrelen. Mit ganz viel Glück kannst du einen Bonito oder eine Goldmakrele fangen.

Was auch spaßig ist ist das Fischen auf Kalmare und Sepia mit diesen Squidjigs - da kann ich bei Bedrf auch was drüber schreiben.
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon regus » 11.01.2017, 09:33

Was auch spaßig ist ist das Fischen auf Kalmare und Sepia mit diesen Squidjigs - da kann ich bei Bedrf auch was drüber schreiben

Ja schreib mal bitte - ich weiß nie wie diese Dinger richtig geführt werden. Ich hab einige gekauft, aber die schwimmen :shock:
Das geht ja auch nachts gut in Hafennähe wenn dort Licht hinstrahlt, oder?
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon *Chorche* » 11.01.2017, 10:11

Also bei Squidjigs gibts grubdsätzlich zwei Modelle, schwimmende und langsam sinkende. Ich verwende eigentlich nur die sinkenden. Sinkende Squidjigs führt man, indem man sie nach dem Auswerfen lange (kann bis zu einer Minute dauern) zum Grund absinken lässt. Wenn sie dort sind, dann werden sie gaaanz langsam (langsamer Jig mit der Rute - 10 Sekunden warten - drei Rollenumdrehungen - wieder 20 Sekunden warten - usw.) eingeholt.

Die schwimmenden Modelle fischt man mit Vorschaltblei, Vorfach nach dem Blei ca. 1,5 Meter, dann der Jig - lässt sie bis zum Grund sinken und kurbelt sie dann in echtem Zeitlupentempo (ca. 2 Meter pro 10 Sekunden) ein.

Ein Kalmar- oder Sepiabiss fühlt sich an wie wenn man ein Blatt oder irgendein Ding eingesammelt hätte, nicht wie ein Fischbiss - jetzt AUF KEINEN FALL ANSCHLAGEN sondern den Kalmar - immer Spannung haltend - mittelschnell einkurbeln und zum Schluss bei kleinen Exemplaren aus dem Wasser heben oder bei großen Tieren schnell den Kescher drunter.

Gute Plätze sind tiefe Häfen und Hafenausfahrten - wenn man weit auswirft fängt man eher Kalmare, wenn man parallel zur Hafenmauer fischt, eher Sepien.

Ich bevorzuge hellrote und grüne Squidjigs, am besten leicht flouriszierend. Als Gerät ist Forellen/Barsch-Gerät perfekt geeignet.

Kleiner Tipp am Schluss: ich montiere hinter die zwei Hakenkränze am Jig immer noch einen Drilling am Sprengring, das hat mir schon zwei Wolfsbarsche gebracht - die am nicht getunten Jig nie hängenbleiben würden.
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Re: Tipps und Infos für Kroatien

Beitragvon Taurinus » 11.01.2017, 17:25

Erst einmal danke für die Infos!

Gibt es bezüglich der Sepien und Kalmare eine bestimmte Zeit wo es am besten läuft?
Als ich 09/2014 auf Cres war konnte ich nämlich keine ausmachen und auch der besitzer eines Angelshops meinte, dass es aktuell nur vom Boot aus geht.

Viele Grüße
Mario
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