korsikaphil hat geschrieben: 03.02.2026, 10:29Servus @Inchiku,
ich hatte gehofft dass du dich zu Wort meldest und ich danke dir für deine substanzierten Beiträge und das Teilen deiner Real-Life-Experience.
Bei Russland versuche ich bewusst, so objektiv wie möglich zu bleiben, weil die öffentlichen Meinungen dazu oft extrem polarisiert sind. Die einen stehen kompromisslos hinter Russland, die anderen ebenso kompromisslos dagegen und diejenigen, die eine differenzierte Position einnehmen, werden dazwischen oft zerrieben.
Russland ist ein schönes Land, und die Russen sind warmherzige, aufrichtige und ehrliche Menschen. Ich habe dort gearbeitet, gelebt, geliebt und geweint. Ich habe die neugeborenen Kinder von Freunden willkommen geheißen und mich von Freunden verabschiedet, die begraben wurden. Diese Erfahrungen haben mich geprägt. Ein Teil von mir wird immer in Russland bleiben.
Gerade deshalb fällt es mir schwer und ich möchte es eigentlich auch nicht, schlecht über dieses Land zu reden. Und es geht ja auch nicht um das Land oder die Menschen an sich, sondern um die Regierung und die politische Führung. Gleichzeitig ist das nicht ganz korrekt, denn die Regierung existiert nicht losgelöst von den Menschen. Es sind auch die Bürgerinnen und Bürger, die sie am Leben erhalten.
Auch wenn viele Russen gegen den Krieg in der Ukraine sind, unterstützen doch zahlreiche Menschen Putin. Man kann diese Realität nicht einfach voneinander trennen. Wenn heute eine Wahl stattfinden würde, würde Putin auch ohne Manipulation gewinnen. Vielleicht nicht so eindeutig wie früher, aber ich würde alles darauf wetten, dass er trotzdem genügend ehrliche Stimmen erhalten würde, um an der Macht zu bleiben.
Wenn ich einmal einfach vom Besten ausgehen darf, würde ich mir wünschen, dass beide Seiten ihren Frieden miteinander finden. Es ist traurig, dass zwei so ähnliche Brüdervölker bis aufs Blut verfeindet sind. Ich wünschte, die Ukrainer könnten ihre Komplexe gegenüber dem „großen Bruder“ abbauen, und ich wünschte, die Russen würden ihre imperialistische Überlegenheit ablegen und die Ukraine als gleichberechtigten Staat anerkennen. Leider glaube ich jedoch, dass sich hier eine Feindschaft entwickelt hat, die noch Jahrzehnte anhalten wird – ähnlich wie am Balkan, vielleicht sogar noch verbissener.
