Kontrollor - das Feindbild

Antworten
Benutzeravatar
Kaindlau
Moderator
Beiträge: 3932
Registriert: 06.03.2005, 18:36
Revier/Gewässer: Wiesinger Wasser,
Wohnort: Enns O/Ö
Hat sich bedankt: 645 Mal
Danksagung erhalten: 224 Mal
Kontaktdaten:

Kontrollor - das Feindbild

Beitrag von Kaindlau » 05.06.2021, 20:04

Servus

Diese Geschichte hat sich Anfangs der 80er genauso abgespielt.

Damals befischte ich die Reviere des sogenannten "großen O/Ö Landeswasser" das wie ich mich erinnern kann für relativ wenig Geld eine vielzahl an Gewässern bot.
Von der Pram und der Trattnach waren z.B. Reviere dabei die ich in all den Jahre nie zu Gesicht bekam, waren wir doch mehr in der Umgebung unterwegs.
Besonders die sogenannte Hilfswehr in Enns war das Ziel unserer Begierde. Hier war die Besonderheit gegeben das die Fische von der Donau kommend bei der Wehr im Kreis schwimmen mussten, weil die Wehr für die Fische ein unüberwindliches Hindernis darstellte. (inzwischen ist ein Fischaufstieg realisiert worden.)
Es waren auch immer schöne Äschen und Forellen zu fangen, und sehr zum Ärgernis der Fliegenfischer, war das Posenangeln mit Matchrute und Mais/Maden Kombi erlaubt.
Ich bin mir nicht mehr sicher ob das magische Datum der 1. oder der 15.Mai war, auf jedenfall waren wir schon im Finstern an der Stelle, um uns einen der raren Plätze zu sichern.
Da wie jedes Jahr mit einer Kontrolle des strengen und gefürchteten Kontrollor zu rechnen war, füllten wir unsere Lizenzbüchlein mit Kugelschreiber vor dem Beginn des Fischens gewissenhaft aus. Und genau da passierte mir ein Lapsus, ich schrieb das Datum auf die Falsche Seite des Büchleins ein, das mir aber nicht aufgefallen ist.
Und gegen 8 Uhr war es dann soweit, wir konnten den Kontrollor auf dar gegenüberliegenden Seite der Enns sehen, wie er mit dem Feldstecher das treiben auf unserer Seite verfolgte, um dann schnell mit dem Fahrrad herüberzufahren.
Zuerst kontrollierte er die paar anderen Fischer, um dann mit einem reschen "das Fischen einstellen, die Lizenzen bitte" zu uns zu kommen.
Bei meinen Kollegen dürfte alles gepasst haben, den er gab ihnen mit ein paar freundlichen Worten die Büchel zurück, nicht ohne seine Unterschrift und Uhrzeit einzutragen.
Bei mir studierte er Seite für Seite ganz genau, um dann mit den Worten " die Lizenz wird konfisziert" mich verdutzt da stehen lies.
Sprachs steckte das Büchel ein und wollte weggehen, MOOOOMEEEENT sagte ich, was soll das, und vor allen Dingen warum, worauf er nur meinte ab nächster Woche könne ich beim Landesfischereiverein anrufen, und mich erkundigen ob und wann ich wieder fischen durfte.
Meine Kollegen sahen meine pulsierenden Halsschlagader und hörten meine Schnappatmung, und meinten nur ich soll ihn nicht anschreien oder gar handgreiflich werden.
Und so kam es, das ich mitansehen musste wie meine Kollegen weiterfischten, um an das Tageslimit zu kommen.
Verärgert wie ich war machte ich den Biervorrat leer, den wir mitgebracht haben, so Quasi als Ausgeich.

Damals wurde die Sache dann so geregelt, ein oder zweimal im Monat wurde in einem Gasthaus im Linzer Stadtteil Urfahr ein Treffen der Lizenznehmer, und der Funktionäre stattfand, und dabei genau solche Angelegenheiten wie die meine Abgehandelt wurden.
Das ganze war einer Gerichtsverhandlung nicht unähnlich, saßen doch auf einen Tisch die Kontrollore und auf einen anderen Tisch die Sünder, den ich war bei weiten nicht der einzige.
Da es nach dem Alphabet abgehandelt wurde war ich der erste an der Reihe, mit gemischten Gefühlen ging ich zum Tisch, wo ich freundlich aufgefordert wurde mich zu setzen,
Jetzt erfuhr ich erst welches Missgeschick mir das ganze eingebrockt hatte, und mit dem Hinweis "Bagatellvergehen" und seien sie nicht zu streng mit unseren Kontrollor, den wir sind froh solche Menschen zu haben, schrieb die Schriftführerin etwas in ein dickes Buch, und mir wurde mitgeteilt, das ich mir die Lizenz in der kommenden Woche auf der Hauptgeschäftsstelle abholen könne.
Da ich mit einer sofortigen Übergabe der Lizenz an mich gerechnet habe, war mein säuerlicher Gesichtsausdruck vielleicht für alle verständlich, als mir aus einem Korb mit Werbeartikeln des Landesfischereivereins angeboten wurde etwas mitzunehmen. (Kugelschreiber, Schlüsselanhänger und ein Etui für das Lizenzbüchel)

Ja so war das damals, heute kann ich darüber schmunzeln, aber damals war mir nicht zu lachen.
Anmerken möchte ich noch, das war das einzige mal, das ich mit dem "Gesetz" in Konflikt gekommen bin. :D

Petri aus Enns und bleibt`s gesund
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Kaindlau für den Beitrag (Insgesamt 2):
grustevedoubleH
Der vielleicht letzte klassische Ansitzangler Österreich`s
http://spazio3.com

grusteve
Rotfeder
Beiträge: 105
Registriert: 21.11.2016, 17:35
Revier/Gewässer: Tschechien
Wohnort: Enns
Hat sich bedankt: 136 Mal
Danksagung erhalten: 73 Mal

Re: Kontrollor - das Feindbild

Beitrag von grusteve » 05.06.2021, 20:16

Na ja, manche der Kontrollore und Funktionäre waren -und sind es manchmal auch heute- ihrer hohen Würde nicht gewachsen. Aber es neigt sich heute ein wenig nach der anderen Seite hin und gewisse Anglerkollegen " lassen ihnen ganz schön etwas anschauen". LG

Benutzeravatar
Sixpack
Moderator
Beiträge: 2115
Registriert: 10.06.2007, 10:45
Revier/Gewässer: Donau, Thaya
Wohnort: Wilfersdorf
Hat sich bedankt: 122 Mal
Danksagung erhalten: 256 Mal

Re: Kontrollor - das Feindbild

Beitrag von Sixpack » 08.06.2021, 16:26

Unfassbar, einfach in der Lizenz irreführende Einträge zu machen,
die das arme amtliche Kontrollorgan in die Irre leiten sollen, du Schwerverbrecher! :lol: :lol: :lol: :wink: :prost:
My biggest worry is that my wife (when I’m dead) will sell my fishing gear for what I said I paid for it!

Antworten

Zurück zu „Wie es früher war“