Altweibersommer am Fuschlsee

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korsikaphil
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Altweibersommer am Fuschlsee

Beitrag von korsikaphil » 17.10.2020, 20:26

So, nach Jahren der anglerischen Abstinenz gibt's mal wieder einen Bericht von mir.

Über die Jahre hat meine anglerische Betätigung gelitten. So musste erst mal der Keller ausgeräumt werden. Wo ist der ganze Kram abgeblieben?
Oh nein! Ich erinnere mich mit Schrecken daran, wie ich den Großteil meiner Ausrüstung über ebay Kleinanzeigen angeboten hatte und zwei gewiefte Geschäftsmänner Stück für Stück die besten Sachen herausfeilschten :|

Eine Rutentasche ist noch da, wohl der traurige Rest den niemand haben wollte. Erleichterung, denn weit gefehlt:
In diesem Futteral ruht ein Schatz. Nämlich die Stecken, die ich vorsorglich vor den Flohmarktgeiern zurückgehalten hatte. Cormoran, Balzer, Jenzi. Etwas anderes konnte ich mir vor fünfzehn, zwanzig Jahren nicht leisten. Gerät mit Erinnerungswert. Erinnerungen an die gute alte Zeit, als noch kein Weg zu weit, kein Ufer zu steil und keine Matratze zu hart war. Es kommt mir vor wie eine kleine Ewigkeit.
In der Seitentasche stecken Schirm, Klappkescher und Gaberln. Der mit Spinnweben verzierte Renkenkescher lehnt in einer Ecke.

In einem Karton finde ich den Rest meiner einst umfangreichen Ausrüstung. Ein kleiner Koffer mit Werkzeug und Kleinteilen. Fünf Hegenen und ein Renkenfinder. Zwei Boxen mit Kunstködern. Fünf Stationärrollen. Darunter auch die schon etwas klapprige, gute alte Mitchell für meine Stoppelrute. Ganze 19 € habe ich kurz nach der Währungsumstellung für die mal auf den Tresen gelegt. Interessanterweise finde ich sogar drei Spulen Schnur, gute Qualität und taufrisch! Die Rollen sind schnell bespult, und los geht das.

Schon ein komisches Gefühl keine dreissig Autominuten von meinem Elternhaus entfernt in einer Pension zu nächtigen. Aber meine Eltern beherbergen dzt. die Enkelkinder. Wenn die ihres Onkels habhaft werden, kann er das Angeln knicken bevor es begonnen hat. Über die Pension Huber in Fuschl wurden schon viele lobende Worte geschrieben. Ich kann mich hier vollumfänglich anschließen. Zimmer, Frühstück, Betreuung, Boote und Preis, alles tipptopp. Der allereinzigste Wermutstropfen für einen alten Mann sind die bleischweren Batterien die man nicht im Boot laden kann. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Mit dem Wetter hatten wir ein Riesenglück. Wir erwischten die letzten Tage eines stabilen Septemberhochs.
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Drei Tage Kaiserwetter.
Bei diesem Ausflug begleitet mich meine Frau, und mit einem bequemen Karpfenstuhl kann ich sie sogar ins Boot locken. Tagsüber wird geschleppt (was keinen Fisch bringen sollte), und beim Driften geworfen (was in drei Tagen nur einen Biss auf einen 7cm Gummifisch brachte der nicht verwertet werden konnte - vermutlich Barsch). Ein Kollege erwischte beim Schleppen einen Meterhecht, aber der war auch drei Tage nonstop dafür unterwegs.
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Ein gemütlicher Stuhl wertet ein Boot enorm auf.
Die Maränen waren deutlich kooperativer. Auch bei diesem Kurztrip zeigte sich der See als ausgesprochenes Abendgewässer. Tagsüber ging nichts, erst als die Sonne den Bergkamm küsste und der Abendwind aufkam, kam Leben in die Rute. Die Beisszeit erstreckt sich hier bis in die Nacht.
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Biss!
Über die Veränderung des Fischbestands am Fuschlsee wurde schon viel geschrieben, und auffällig war's schon dass selbst zwei Veteranen, die seit 17 Jahren an diesen See zum Renkenangeln kommen, in einer Woche intensiven Fischens bei guten äußeren Bedingungen keine einzige Maßige erwischten (Schonmaß = 36cm). Ich fing jeden Abend innerhalb von zwei, zweieinhalb Stunden ein gutes halbes Dutzend „Chiemseeheringe". Aber nur ein Fisch knackte die 30cm Marke.
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Auch die darf noch wachsen.
Für die beiden netten Herren aus Bayern war es die letzte Angelwoche am Fuschlsee. Sie meinten, sie würden nicht mehr wiederkommen.
Mich haben die drei Tage nicht abgeschreckt, im Gegenteil. Irgendwo muss sie ja stecken, die Große Bodenrenke. Wir kommen wieder!
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Re: Altweibersommer am Fuschlsee

Beitrag von Kaindlau » 18.10.2020, 18:15

Servus

Willkommen zurück :up2:
Und das gleich mit einer so schönen Geschichte.👍
Kenne ich auch die Gründe nicht, die dich damals bewogen haben der Fischerei den Rücken zu kehren, so ganz weg ist man doch nicht.😁
Danke auf jeden Fall, und bleib wieder dabei.

Petri aus Enns
Der vielleicht letzte klassische Ansitzangler Österreich`s
http://spazio3.com

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