norwegen

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Oze147
Huchen
Beiträge: 1308
Registriert: 23.10.2012, 08:18

Re: norwegen

Beitrag von Oze147 »

Nachbericht zu meiner Norwegenreise:

Ziel war eine kleine aber feine Hütte im Süden Norwegens etwa eine halbe Stunde von Kristiansand entfernt.
Die Hütte besaß einen schönen großen Bootsanleger und auch ein Boot mit 10PS Motor war vorhanden, das aber nur für kleine Touren im Fjord genutzt wurde. Als einiger Angler der Gruppe wollte ich dann doch nicht alleine im Boot hantieren, da es doch recht regen Freizeitverkehr am Wasser gab und zeitweise Wind und Wellen doch ganz ordentlich waren.

Im Koffer hatte ein Reiserute bis 60g, gepaart mit einer 2500 Rolle mit 0,16 Geflecht Platz gefunden und während die Rute allen Aufgaben gewachsen war (zumindest zu Beginn, aber dazu später mehr), war die Schnurkapazität der Rolle dann doch etwas zu gering.
In meiner kleinen Angelbox fanden dann noch diverse Bleiköpfe bis 21gr, Gummis in 7-9cm, ein paar kleine Pilker bis 45 gr, ein paar Einzelhaken, Wirbel, Bleie und 0,30er Vorfachmaterial Platz.
Angelzeit gab es für mich ausreichend, da frühes Aufstehen, die Siesta der Mitreisenden oder Sessions nach dem Abendessen sich doch für einige Stunden Zeit am Bootssteg summierten.

So wurden also sehr, sehr viele Würfe in den Fjord gemacht und es ergab sich recht schnell ein Bild meines Angelplatzes. Ein verhältnismäßig flacher Bereich an der linken Seite, tiefes Wasser bis 50m an der Vorderseite und eine steile Kante zur Rechten.
Soweit so schwierig, denn als ziemliches Nackerpatzi im Meeresangeln fehlte einerseits die Erfahrung und andererseits das Vertrauen in die kleinen Bleifischchen, die doch so nichtssagend durchs Wasser gleiten, wenn man doch die ausladende Aktion eines Jerks oder eines Wobblers von der heimischen Angelei so gewohnt ist.
Das beim Absinken in die Tiefe jedes mal der Knoten an der zu kleinen Rolle zum Vorschein kam hob die Stimmung auch nicht so wirklich. Resultat nach den ersten Stunden: ein harter Kampf mit einem etwa 20cm großen Wittling, der irgendwo im Nirgendwo den kleinen Pilker aufgegabelt hatte.
Ein paar Versuche mit Naturködern brachten zwar einige schön bunte Lippfische direkt vor den Füßen, aber mangels schwerer Bleigewichte für die Tiefe musste diese Taktik dann auch zur Seite geschoben werden.

In den Abendstunden des ersten Tages wurde also wieder auf Gummi gewechselt und der Flachbereich und die Steilwand abgefischt und siehe da, zwei Dorsche von etwa 50 cm landeten am Steg. In diesem Moment war mir die Besonderheit dieser beiden Fische nicht bewusst, denn obwohl im Verlauf der Tage immer wieder der ein oder andere Dorsch meine Köder nahm, war die Durchschnittsgröße bei etwa 35cm.
Oder wie unsere norwegischer Nachbar es ausdrückte: "There are no fish in this Fjord...we blame the Germans and the seals!"

Nichts desto trotz gab es also die ersten Erfolge und so blieben die Pilker in der Box und ich ließ mit viel Ausdauer kleine Gummifische über den Grund hoppsen.
Dem Zufall ist es geschuldet, dass ich noch mehr zu berichten habe, denn irgendwann gab es beim einfachen Hochkurbeln an der Steilwand einen heftigen Einschlag und ein 70er Seelachs kam zum Vorschein. Wieder was gelernt.

Die nächsten Session verliefen dann recht kurzweilig, kleine Dorsche und der ein oder anderer Seelachs gingen ans Band. Einziges Mysterium waren die Fische, die man hin und wieder an der Oberfläche sah und die definitiv am rauben waren aber angebotene Köder ignorierten. Könnten das Meerforellen sein? Zumindest war dies der einzige Fisch, der die Norweger im Gespräch ein bissl auftauen lies.

Es muss so der vierte Tag gewesen sein wo ich eine Antwort auf meine Frage bekam, den der kleine Pilker stoppte beim Absinken schon etwa zwei Meter unter der Oberfläche. Warum Pilker? Weil Hänger! Trotz konzentriertem Fischen holte sich der Fjord ein ums andere Mal meine Jigköpfe und der Vorrat begann doch sehr schnell zu schwinden.
Ach ja.. Fisch beim Absinken.
Nachfolgend von einem Drill zu sprechen, wäre irgendwie falsch. Es folgte wildes Gekurble meinerseits um nicht die Spannung zum Fisch zu verlieren, denn eine große Makrele hatte sich den Pilker geschnappt und schoß wie ein D-Zug durch die Fluten.
In Folge war es Spaßangeln pur, denn wenn die Makrelen in Wurfweite kamen, kamen auch die Mitreisenden in den Genuss des Fischfangs.
Der Speed der kleinen Torpedos ist schon etwas besonderes.

Während dieser Zeit kam es auch zum Unglücksfall der Reise.
Wieder hatte sich eine etwa 50er Makrele den Köder geschnappt und mit Kleinkind am Steg, der wieder mal kurz davor war der Frau Mama zu entfläuchen um einen Selbstmordversuch vom Steg zu unternehmen, verlief die Landung zu hektisch und mit einem schmerzlichen Knacken wurde meine Reiserute von vier auf fünf Teile umgebaut.
Mein Blick plus mein leidendes Stöhnen wurde von der Reisegesellschaft als herzzerreißend beschrieben...

Kurzerhand musste also am nächsten Tag ein Umweg über einen XXL Sports gemacht werden, wo zu norwegischen Preisen eine Reiserute erstanden wurde, leider nur im WG Bereich bis 40gr. Kopfschütteln der Partnerin inklusive.

Der Rest der Tage ist schnell erzählt. Makrelen, Dorsche, kleine Seelachse. Zwei große Fische mangels Rückgrat der neuen Rute im Seegras verloren.
Auffallend war, dass es Sessions gab die viele Fische brachten und welche, die für den sprichwörtlichen Arsch waren. Das Warum ging mir erst recht spät auf und hatte mit der Tide im Fjord zu tun. Kam das Wasser, kamen die Fische, war Ebbe, war es Zeit zum Kartenspielen.
Pilker sind abschließend schon ganz geile Köder, denn sie fangen alles was im Wasser schwimmt und lassen sich sehr variantenreich führen.

Also mal sehen, ob mich Norwegen noch mal wieder sieht...ich würd mich freuen.
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Smetnik
Rotfeder
Beiträge: 57
Registriert: 30.03.2023, 17:15

Re: norwegen

Beitrag von Smetnik »

Lässiger, lebendiger Bericht, danke fürs teilhaben lassen! Musste mehrmals schmunzeln. Und Petri zu den vielen Fischen.
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YACHTFISCHER
Rotfeder
Beiträge: 56
Registriert: 11.03.2012, 03:17

Re: norwegen

Beitrag von YACHTFISCHER »

Oze147 hat geschrieben: 25.08.2025, 13:27 Nachbericht zu meiner Norwegenreise:

Ziel war eine kleine aber feine Hütte im Süden Norwegens etwa eine halbe Stunde von Kristiansand entfernt.
Die Hütte besaß einen schönen großen Bootsanleger und auch ein Boot mit 10PS Motor war vorhanden, das aber nur für kleine Touren im Fjord genutzt wurde. Als einiger Angler der Gruppe wollte ich dann doch nicht alleine im Boot hantieren, da es doch recht regen Freizeitverkehr am Wasser gab und zeitweise Wind und Wellen doch ganz ordentlich waren.

Im Koffer hatte ein Reiserute bis 60g, gepaart mit einer 2500 Rolle mit 0,16 Geflecht Platz gefunden und während die Rute allen Aufgaben gewachsen war (zumindest zu Beginn, aber dazu später mehr), war die Schnurkapazität der Rolle dann doch etwas zu gering.
In meiner kleinen Angelbox fanden dann noch diverse Bleiköpfe bis 21gr, Gummis in 7-9cm, ein paar kleine Pilker bis 45 gr, ein paar Einzelhaken, Wirbel, Bleie und 0,30er Vorfachmaterial Platz.
Angelzeit gab es für mich ausreichend, da frühes Aufstehen, die Siesta der Mitreisenden oder Sessions nach dem Abendessen sich doch für einige Stunden Zeit am Bootssteg summierten.

So wurden also sehr, sehr viele Würfe in den Fjord gemacht und es ergab sich recht schnell ein Bild meines Angelplatzes. Ein verhältnismäßig flacher Bereich an der linken Seite, tiefes Wasser bis 50m an der Vorderseite und eine steile Kante zur Rechten.
Soweit so schwierig, denn als ziemliches Nackerpatzi im Meeresangeln fehlte einerseits die Erfahrung und andererseits das Vertrauen in die kleinen Bleifischchen, die doch so nichtssagend durchs Wasser gleiten, wenn man doch die ausladende Aktion eines Jerks oder eines Wobblers von der heimischen Angelei so gewohnt ist.
Das beim Absinken in die Tiefe jedes mal der Knoten an der zu kleinen Rolle zum Vorschein kam hob die Stimmung auch nicht so wirklich. Resultat nach den ersten Stunden: ein harter Kampf mit einem etwa 20cm großen Wittling, der irgendwo im Nirgendwo den kleinen Pilker aufgegabelt hatte.
Ein paar Versuche mit Naturködern brachten zwar einige schön bunte Lippfische direkt vor den Füßen, aber mangels schwerer Bleigewichte für die Tiefe musste diese Taktik dann auch zur Seite geschoben werden.

In den Abendstunden des ersten Tages wurde also wieder auf Gummi gewechselt und der Flachbereich und die Steilwand abgefischt und siehe da, zwei Dorsche von etwa 50 cm landeten am Steg. In diesem Moment war mir die Besonderheit dieser beiden Fische nicht bewusst, denn obwohl im Verlauf der Tage immer wieder der ein oder andere Dorsch meine Köder nahm, war die Durchschnittsgröße bei etwa 35cm.
Oder wie unsere norwegischer Nachbar es ausdrückte: "There are no fish in this Fjord...we blame the Germans and the seals!"

Nichts desto trotz gab es also die ersten Erfolge und so blieben die Pilker in der Box und ich ließ mit viel Ausdauer kleine Gummifische über den Grund hoppsen.
Dem Zufall ist es geschuldet, dass ich noch mehr zu berichten habe, denn irgendwann gab es beim einfachen Hochkurbeln an der Steilwand einen heftigen Einschlag und ein 70er Seelachs kam zum Vorschein. Wieder was gelernt.

Die nächsten Session verliefen dann recht kurzweilig, kleine Dorsche und der ein oder anderer Seelachs gingen ans Band. Einziges Mysterium waren die Fische, die man hin und wieder an der Oberfläche sah und die definitiv am rauben waren aber angebotene Köder ignorierten. Könnten das Meerforellen sein? Zumindest war dies der einzige Fisch, der die Norweger im Gespräch ein bissl auftauen lies.

Es muss so der vierte Tag gewesen sein wo ich eine Antwort auf meine Frage bekam, den der kleine Pilker stoppte beim Absinken schon etwa zwei Meter unter der Oberfläche. Warum Pilker? Weil Hänger! Trotz konzentriertem Fischen holte sich der Fjord ein ums andere Mal meine Jigköpfe und der Vorrat begann doch sehr schnell zu schwinden.
Ach ja.. Fisch beim Absinken.
Nachfolgend von einem Drill zu sprechen, wäre irgendwie falsch. Es folgte wildes Gekurble meinerseits um nicht die Spannung zum Fisch zu verlieren, denn eine große Makrele hatte sich den Pilker geschnappt und schoß wie ein D-Zug durch die Fluten.
In Folge war es Spaßangeln pur, denn wenn die Makrelen in Wurfweite kamen, kamen auch die Mitreisenden in den Genuss des Fischfangs.
Der Speed der kleinen Torpedos ist schon etwas besonderes.

Während dieser Zeit kam es auch zum Unglücksfall der Reise.
Wieder hatte sich eine etwa 50er Makrele den Köder geschnappt und mit Kleinkind am Steg, der wieder mal kurz davor war der Frau Mama zu entfläuchen um einen Selbstmordversuch vom Steg zu unternehmen, verlief die Landung zu hektisch und mit einem schmerzlichen Knacken wurde meine Reiserute von vier auf fünf Teile umgebaut.
Mein Blick plus mein leidendes Stöhnen wurde von der Reisegesellschaft als herzzerreißend beschrieben...

Kurzerhand musste also am nächsten Tag ein Umweg über einen XXL Sports gemacht werden, wo zu norwegischen Preisen eine Reiserute erstanden wurde, leider nur im WG Bereich bis 40gr. Kopfschütteln der Partnerin inklusive.

Der Rest der Tage ist schnell erzählt. Makrelen, Dorsche, kleine Seelachse. Zwei große Fische mangels Rückgrat der neuen Rute im Seegras verloren.
Auffallend war, dass es Sessions gab die viele Fische brachten und welche, die für den sprichwörtlichen Arsch waren. Das Warum ging mir erst recht spät auf und hatte mit der Tide im Fjord zu tun. Kam das Wasser, kamen die Fische, war Ebbe, war es Zeit zum Kartenspielen.
Pilker sind abschließend schon ganz geile Köder, denn sie fangen alles was im Wasser schwimmt und lassen sich sehr variantenreich führen.

Also mal sehen, ob mich Norwegen noch mal wieder sieht...ich würd mich freuen.
Sehr schöner Bericht :danke:
plitvinko
Köderfisch
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Re: norwegen

Beitrag von plitvinko »

Ich würde gerne zum Angeln nach Norwegen fahren, war noch nie dort...
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rob gone fishing
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Re: norwegen

Beitrag von rob gone fishing »

@Oze147: lässiger bericht, grad erst entdeckt!
musste dabei ebenso öfter schmunzeln. für dein reines uferangeln hast du ja etliche gute fische fangen können und die power spüren dürfen. makrelen am leichten gerät machen richtig spass und pollacks sowieso. dorsch ist dagegen fad, dafür sehr schmackhaft. gemeinsam mit familie sicher das beste daraus gemacht! jetzt bist du hoffentlich infiziert und das nächste mal fährst du mit dem boot raus. das ist nämlich schon noch einmal eine andere nummer. gefällt dir sicher!
lg rob
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Oze147
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Re: norwegen

Beitrag von Oze147 »

rob gone fishing hat geschrieben: 24.09.2025, 19:54 @Oze147: lässiger bericht, grad erst entdeckt!
musste dabei ebenso öfter schmunzeln. für dein reines uferangeln hast du ja etliche gute fische fangen können und die power spüren dürfen. makrelen am leichten gerät machen richtig spass und pollacks sowieso. dorsch ist dagegen fad, dafür sehr schmackhaft. gemeinsam mit familie sicher das beste daraus gemacht! jetzt bist du hoffentlich infiziert und das nächste mal fährst du mit dem boot raus. das ist nämlich schon noch einmal eine andere nummer. gefällt dir sicher!
lg rob
Danke!
Ja...also ich war mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Ich kenne keinen Bootssteg bei uns, wo man über eine Woche hinweg immer wieder Fische fängt, noch dazu verschiedene Arten.
Allerdings waren die norwegischen Nachbarn doch sehr pessimistisch, was die Gesamtsituation im Fjord anbelangt. Ich hatte halt diesbezüglich keinen Vergleich und dementsprechend war es für mich ein tolles Erlebnis.

Im Nachhinein ärger ich mich eh ein bissl, dass ich nicht mit dem Boot raus bin, aber einerseits war mein Gerät dafür wahrscheinlich eh ungeeignet und die Geduld der Familie wurde auch ohne stundenlange Bootstrips schon hart beansprucht....aber so hab ich wenigstens die Chance auf eine Rückkehr am Leben gehalten...nicht dass ich nächstes Jahr noch Urlaub in den Bergen machen muss :wink:
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Kaindlau
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Re: norwegen

Beitrag von Kaindlau »

Servus Oze147

:applaus: für die Schildeung deiner Norwegenreise.

Petri aus Enns
Der vielleicht letzte klassische Ansitzangler Österreich`s
http://spazio3.com
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Bienentanz
Hecht
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Re: norwegen

Beitrag von Bienentanz »

Cooler Bericht - steht bei mir fix auch noch am Plan :up2:
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