Jahrzehnte schon fliege ich alle 2 Jahre an den Velfjord Nordnorwegen zu Knurri ins Camp (knurris-angeltouren.de). Nicht nur die Natur ist dort überwältigend und wunderschön, auch das Fischen in den Fjorden ist spannend und voller Überraschungen. Man sieht und trifft kaum Menschen und zum Teil steht in den einzelnen Fjorden nicht einmal ein Haus, nur Natur pur. Der Velfjord besteht aus vielen Fjorden die sternförmig zusammenlaufen und einen großen Ausgang zum offenen Meer haben.
Heuer war ich Ende August oben und bin darüber froh, den die Wochen vorher hatte es bis 36 Grad und das Wasser Badetemperatur. Die Mücken waren unerträglich, fischen war eigentlich nur in der hellen Nacht möglich. Das ist genau nicht meines, eigentlich flüchte ich vor unseren Sommertemperaturen in Österreich.
Diese heißen Sommer fallen in Nordnorwegen die letzten Jahre schon auf. Ja klar hatte es früher auch schon tageweise mal über 30 Grad im Hochsommer, aber nie so lange Zeit durchgehend wie jetzt. Das wirkt sich auch auf das Fischen aus. Es wird in den Fjorden immer schwieriger und was früher funktionierte, klappt mittlerweile nicht mehr so gut.
Wir mussten unsere Art der Fischerei etwas umstellen und auch die Platzwahl.
Zum Beispiel stehen kaum noch Pollacks an den steilen Felswänden. Die warfen wir früher mit „leichtem“ Gerät und 50g Jigköpfen mit Gummifischen an und konnten so gezielt viele gute Fische fangen. Das klappt kaum noch, etliche schleppen jetzt diese Wände mit Wobblern entlang und können so wenigstens ab und an einen guten Pollack fangen. Das ist mir aber zu langweilig. Ich konnte in den 2 Wochen immer wieder mal einen Pollack beim Spinnfischen und Pilken fangen, gezielt aber leider nicht. Aus diesem Grund werd ich mir viele kleinere Gummifische zwischen 12 cm und 15 cm und die dazugehörenden Jigköpfe von 50-100 Gramm sparen. Da fällt dann schon mal ordentlich Gewicht wieder weg im Reisegepäck.
Ähnlich ist es bei den Seelachsen. Vor 2 Jahren waren im Juni kaum welche im Fjord, die kommen mit den Futterfischen etwas später im Sommer rein. Heuer war ich eben im August. Hering war schon wieder weg, aber Makrelen und andere kleine Schwarmfische waren noch da. Also eigentlich genug Futter.
Früher ist man einfach mitten in einen Fjord gefahren und hat dann im Oberwasser, zwischen 30 und 60 meter Tiefe, die zahlreichen Seelachse beim speedpilken gefangen, einfach irgendwo blind. Jetzt muss man sie mit dem Echolot mühsam suchen und sie standen sehr viel Tiefer. Zwischen 50 und 100 Meter Tief über einer gesamt Tiefe von 120-450 Metern.
Hat man sie einmal gefunden, kann man sie auch gut fangen. Aber das Speedpilken mit 250g Pilkern auf bis zu 100 Meter Tiefe geht ordentlich rein. Nach einigen Würfen und Fischen aus solchen Tiefen ist man mit dem hochkurbeln oder pumpen völlig erledigt. Ich zumindest. Aber immer mal wieder dazwischen macht Spaß und bringt guten Fisch. Vor allem wenn man durch den Fjord streift um irgendwas zu machen und plötzlich viele Sicheln am Echolot sieht. Dann heißt es Rute raus, der Spaß beginnt!
Für gute Dorsche war die falsche Zeit. Die großen sind im Winter und Frühjahr im Fjord. Wir fingen nur einige Küchendorsche und kleine Tangdorsche in Ufernähe.
Das Tiefseefischen geht eigentlich immer, sofern die Drift mitspielt. Große Leng und Lump werden dabei regelmässig gefangen und natürlich der Rotbarsch, Lieblingsfisch von so vielen. Auch anderes Getier mit dem man nicht rechnet kommt immer wieder mal hoch und bringt Überraschung.
Wir hatten leider heuer nicht wirklich viel Glück beim Tiefseefischen. Der Wind und die daraus resultierende Drift waren oft viel zu stark. Ich hatte extra einen Driftsack mitgenommen, der reduzierte etwas, war aber am Ende auch nicht zielführend.
Ein paar Rotbarsche für die Küche, ein fetter Lump und kleinere Lengs waren aber drinnen für uns. Wir fischten nur mit 300-350g Gewichten und auch nich tiefer als 250 Meter.
Wir kurbeln noch ehrlich mit der Hand und verzichten auf Elektrorollen. Die haben mit Batterie auch einfach zu viel Gewicht für eine Flugreise. Man darf ja nur 23 Kilo Gebäck mitnehmen und ich musste vor Abflug zu Hause noch einmal 1/3 meiner eingepackten Angelsachen wieder aus dem Koffer nehmen. Der war viel zu schwer.
Einige andere aus dem Camp konnten mit Elektrorollen, 500 Gramm bis 1 Kilo Bleigewichten in 250-400 Meter Tiefe ordentliche Rotbarsche, riesige Leng und Lump fangen. Die haben die ganze Zeit über nichts anderes gemacht, nur Tiefsee.
Uns hat es heuer vor allem das Fischen auf Heilbutt mit Naturköder angetan! Das haben wir auch intensiv praktiziert.
Der Velfjord ist wirklich ein super Revier für Heilbutt und daran hat sich auch zum Glück die letzten Jahre nichts daran geändert.
Es gibt viel gute Stellen und das in jedem Fjord. Wir fischten mit einem 350 Gramm Schleppblei, 1,2 mm Hardmonovorfach, großem Einzelhaken und großem Drilling. Rute 30 lbs mit Multirolle, 0.22 mm geflochtene Hauptschnur und 2 Meter 1mm Fluocarbon coated vorgeschaltet, dann Karabinerwirbel und das Schleppsystem.
Köder waren Makrelen die wir vorher frisch gefangen haben. Kleinere Makrelen kamen im ganzen drauf und größere wurden halbiert.
Einzelhaken von unten durchs Maul und bei der Schädelplatte wieder raus. Der Drilling wird dann bei der Rückenflosse eingehakt.
Boden war sandig, Tiefen von 20 bis 90 Meter. Die meisten Butt’s fingen wir über ca. 80 Meter Tiefe. Es waren alles keine Riesen, sie hatten zwischen 92 cm und 1,04 Meter, ein untermaßiger mit 82cm war ebenso dabei und wurde umgehend released. Ordentlich Spaß war das. Erstens ist es eine relative ruhige Fischerei im relaxten sitzen, man kann auch bei keiner und mehr Drift sinnvoll darauf angeln, die Bisse sind super spannend und die Drills waren alle heftig. Ich bin aber immer froh, wenn kein Butt größer als 1,5 Meter beißt! Erstens kann ich die „kleineren“ Keschern und kulinarisch gut verwerten und zweitens ist das der pure Stress mit einem Fisch über 40 Kilo. Vernünftig landen/fixieren an der Bordwand zum wieder releasen kann man den Fisch auch nur schwer, ohne ihn zu verletzen. Dann fangen wir sie großteils in über 80 Meter Tiefe. Oft flüchten diese Butt’s dann noch einmal von ganz oben wieder runter auf den Grund. Dann geht der Tanz wieder von neuem los. Jeder der schon mal einen Heilbutt aus 80 Meter Tiefe hochgepumpt hat, weiß was ich meine. Da fallen einen die Arme ab, auch bei einem kleineren Butt. Bin immer wieder erstaunt, über diese Kraft die die haben. Echt ein majestätischer Fisch, der König der Nordmeere!
Wir haben jeden Abend Fisch gegessen. Mit den vollausgestatteten Küchen macht das Kochen spaß und es geht nichts über einen frischen selbstgefangenen Fisch. Wir genießen das! Viele Fische haben wir wieder zurück gesetzt, vor allem die aus dem seichteren Wasser kamen. Die Tiefseefische wurden am Abend gleich verspeist und am Ende der 2 Wochen hat jeder ein kleines Paket (ca. 9 Kilo) mit diversen Filets gefroren mitgenommen. 18 Kilo hätten wir jeder dürfen, da offizielles Camp, aber wozu….
Außerdem habe ich vor 2 Jahren meine Koffer erst 4 Tage später wieder am Flughafen bekommen und der ganze gute Fisch, Reka Mayonnaise und Elchwürste waren kaputt. Jetzt beim Hinflug ist meine große Golftasche mit Gewand und Angelzeug erst 2 Tage später angekommen. Fast hätte ich dann gar keinen Fisch mitgenommen. Zum Glück lief diesmal wieder alles gut.
Auch einige Ausflüge haben wir gemacht. Einmal sind wir rüber auf die Insel Vega, dann waren wir einmal bei deutschen Stellungen aus dem 2 Wk und beim bekannten Torghatten, ein Berg auf der Insel Torget. Der ist berühmt für sein charakteristisches Loch in der Mitte. Da kann man rauf- und durchgehen und man hat eine herrliche Aussicht auf die vorgelagerten Schären.
Ich möchte euch jetzt noch einige Fotos und Videos zeigen.
Pollack's:
Seelachse:
Butt's:
Tiefsee:
Essen:
Boot:
Ausflüge/Impressionen:
Schiffe:
Und zu guter letzt gibt es schon ein erstes Video auf Youtube!
Weitere werden auf meinem Kanal folgen und viele ältere Velfjord Videos sind auch zu finden.