Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

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Clochette
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Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von Clochette » 13.06.2019, 07:45

Hallo allerseits,

ich hätte mal eine Frage an das Forum, in der Hoffnung, dass mir jemand hier weiterhelfen kann.

Ich schreibe zurzeit an einem historischen Roman, der unter anderem in Venedig Mitte des 17. Jahrhunderts spielt. Dabei möchte ich gerne eine Szene einbringen, in der zwei Figuren zusammen mit einem Fischer im Boot die Lagune durchqueren und dabei mit dem Bogen des Fischers einen Fisch schießen.

Nun habe ich selbst leider wenig Ahnung von Pfeil und Bogen und noch weniger vom Angelsport. Ich habe mich bemüht, mich zum Bogenschießen zu informieren, und ich habe auch Quellen dafür gefunden, dass der Fischfang mit der Harpune in Venedig früher üblich war. Allerdings fehlen mir einfach noch die Details, um die Szene realistisch darzustellen – angefangen mit so einfachen Fragen wie die, welche Fische sich dort fangen lassen und wie man die im offenen Wasser anlocken könnte.

Vielleicht könnte mir der eine oder andere von euch weiterhelfen? Ich bräuchte einfach noch genauere Informationen dazu, wie solch ein Fischfang im Einzelnen ablaufen würde.
Wenn jemand sich bereiterklären würde, die entsprechende Szene einmal probezulesen, wäre das natürlich großartig. Es geht dabei nur um vier bis fünf Seiten.

Vielen Dank schon mal für eure Hilfe und liebe Grüße
Ann-Kathrin

TheCK
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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von TheCK » 13.06.2019, 07:59

Hallo Ann-Kathrin!

Eine sehr interessante Frage! Aber ich habe auch gleich eine Gegenfrage: wie hast du dir die Szene im Allgemeinen vorgestellt? Beschuss des Fisches von außerhalb des Wassers oder direkt unter Wasser?
Von außerhalb ist es grundsätzlich möglich, so zu fischen. Das wird auch heute noch z.B. beim Speerfischen so gehandhabt. Allerdings setzt es voraus, dass die Fische sehr dicht an der Oberfläche stehen/schwimmen. Das wird im Meer nur selten der Fall sein.
Unter Wasser ist der Bogen wahrscheinlich nutzlos. Die aufgebrachte Zugkraft reicht meiner Meinung nach nicht aus, um den Pfeil im sehr dichten Medium Wasser genug zu beschleunigen um den Fisch auch zu durchschlagen. Deshalb wird für solche Fälle eine Harpune benutzt.

Bezüglich der vorkommenden Fische kannst du entweder die Liste der Mittelmeer-Fischarten auf Wikipedia oder unser Unterforum zum Meeresfischen zu Hilfe nehmen. Es gibt viele Fangberichte aus Kroatien und die Fische kommen großteils auch an der italienischen Küste vor.
LG
Chris

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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von thomasfischt » 13.06.2019, 08:37

Hi

Wie bist du auf die Idee gekommen? Ist die Fischerszene frei erfunden oder angelehnt an etwas was du gelesen hast?

Ob das im 17. Jhdt in Venedig so praktiziert wurde bezweifle ich, aber du hast du ja künstlerische Freiheit

Das einzige was mir dazu eingefallen ist sind die Schwertfisch-Fänger von Sizilien. Dort gibt es eine alte Tradition und Technik diese Fische mit der von Hand beschleunigter Harpune vom Boot aus zu befischen. Dazu verwenden sie eigens umgebaute Boote mit einem sehr hohen Ausguck um die Fische zu finden und einem sehr langen Ausleger um die Fische dann unauffällig ohne mit dem Boot zu verscheuchen von oben zu harpunieren.

Ob es je in der nördlichen Adria bzw in der Lagune derartige Fische gegeben hat bzw fischbar waren ?

Wenn du prinzipiell wissen möchtest welche Fische eher an der Oberfläche erscheinen kann ich dir sagen was ich persönlich an der Oberfläche der Adria, allerdings weiter südlicher bei Zadar gesehen habe und daher mit Speer oder Bogen fangbar wäre bzw in deinen Roman einbaubar wäre sind:

Thunfische, Schwertfische, Mondfische, Schildkröten, MahiMahis
Vielleicht hilft dir dieser Input weiter.

Ich habe spontan gegoogelt um ein Bild zu zeigen und bin auf diesen reiseblog gestoßen. Auf den letzten sechs Fotos sieht man diese Boote.



http://ms-beatrice.de/?page_id=1003


Eine ganz andere Methode die auch in Kroatien praktiziert wird ist das Fische stechen. Vielleicht passt dies eher zu deinen Personen aus deinem Roman. Hier fährt man meistens nachts mit einem kleinen Boot und einer starken Lampe über das seichte Wasser und kann gut Fische oder Oktopusse am Grund erkennen. Diese werden dann mit einem langen Fünfzack aufgestochen. Wenn es in deinem Roman ein Bogen sein soll dann kann ich mir sowas noch am ehesten vorstellen.

Weiter viel Spaß beim Schreiben

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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von Oze147 » 13.06.2019, 12:12

Ok, Warnung vor gefährlichem Halbwissen, aber:

Rein historisch gesehen, wurden Fische und andere Wassertiere wohl schon seit der Erfindung des Bogens mit eben diesem bejagt und diese ursprüngliche Form wird auch heute noch von diversen Ureinwohnern z.B. im Amazonas so praktiziert.

Ob diese Technik auch im Europa der frühen Neuzeit so praktiziert wurde, weiß ich persönlich nicht, könnte aber gegebenenfalls durch zeitgenössische Literatur oder Darstellungen belegbar sein. Da allerdings auch das Streben nach immer neuen Kolonien in diese Epoche fällt, würde sich vielleicht darüber eine literarische Brücke zum Bogenfischen und der Szene im Roman bauen lassen.

Heutzutage ist das Bogenfischen in den USA noch immer sehr populär und wird mit modernem Equipment vorallem auf Karpfen aber auch andere Fische praktiziert.
Im Salzwasser werden so z.B. Rochen gejagt.
Wie von den Vorpostern bereits geschrieben ist flaches Wasser eine Voraussetzung für diese Technik, da das Ziel ja beim Schuss gesehen werden muss.

Wenn man "Bowfishing" bei Youtube eingibt finden sich sehr viele Videos, wo man sieht wie zumindest die moderne Variante aussieht. In Verbindung mit dem Suchbegriff "saltwater" finden sich auch einige Videos die zu deiner Thematik passen.



Die Urvariante wird aber eher so ausgesehen haben:

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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von fuschlsee0 » 13.06.2019, 13:27

Und auf dem unteren Bild sind auch schön die Fische zu sehen, die mir als erstes dazu eingefallen sind. In Venedig wird es kaum Schwertfische oder Mahi Mahis geben. Aber Meeräschen!
Diese Fische sind hauptsächlich sehr oberflächennah und könnten sicher gut mit dem Bogen bejagt werden. Zudem kann man sie mit Brot anlocken und die Sache wird noch einfacher.

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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von Clochette » 16.06.2019, 08:03

Oh, vielen Dank für die vielen raschen Antworten! ^.^ Jetzt bin ich auf jeden Fall schonmal schlauer.
TheCK hat geschrieben:
13.06.2019, 07:59
Eine sehr interessante Frage! Aber ich habe auch gleich eine Gegenfrage: wie hast du dir die Szene im Allgemeinen vorgestellt? Beschuss des Fisches von außerhalb des Wassers oder direkt unter Wasser?
Von außerhalb ist es grundsätzlich möglich, so zu fischen. Das wird auch heute noch z.B. beim Speerfischen so gehandhabt. Allerdings setzt es voraus, dass die Fische sehr dicht an der Oberfläche stehen/schwimmen. Das wird im Meer nur selten der Fall sein.
Ich hatte mir das in der Tat von außerhalb des Wassers vorgestellt, also dass die Männer in einem Boot von Venedig nach Murano fahren und dort in der Nähe des Ufers versuchen, mit einem geeigneten Bogen einen oder zwei Fische zu schießen.
Das mit den Fischen nahe der Oberfläche ist mir als Problem auch in den Kopf gekommen - deshalb kam ich da auf die Idee, dass man die Fische vielleicht mit Brotkrumen oder ähnlichem anlocken könnte. Wobei ich auch nicht weiß, ob das ausreicht, um mehrere Fische so nahe an die Oberfläche zu locken. Was meinst du?

thomasfischt hat geschrieben:
13.06.2019, 08:37
Wie bist du auf die Idee gekommen? Ist die Fischerszene frei erfunden oder angelehnt an etwas was du gelesen hast?

Ob das im 17. Jhdt in Venedig so praktiziert wurde bezweifle ich, aber du hast du ja künstlerische Freiheit
Die Szene ist zugegebenermaßen auf meinem eigenen Mist gewachsen. Ich möchte den beiden Figuren Gelegenheit geben, zusammen auf de Jagd zu gehen, und da gibt es in der Nähe von Venedig ja nicht so viel Auswahl. ^.^'

Klar habe ich künstlerische Freiheit, aber ich möchte eben sichergehen, dass das Ganze einigermaßen vorstellbar bleibt und nicht völlig an den Haaren herangezogen wirkt. Meine Regel ist dabei: 'Unwahrscheinlich – kein Problem, Unmöglich – Finger weg'.

Deswegen bin ich auch etwas unsicher, was die sizilianischen Boote angeht, die du beschrieben hast. Auch wenn die Gefährte ja sehr cool aussehen, scheint das doch eher eine sehr spezielle Jagdtechnik zu sein. Wenn es dazu in Venedig keine Berichte gibt, würde ich das eher vermeiden wollen.
thomasfischt hat geschrieben:
13.06.2019, 08:37
Eine ganz andere Methode die auch in Kroatien praktiziert wird ist das Fische stechen. Vielleicht passt dies eher zu deinen Personen aus deinem Roman. Hier fährt man meistens nachts mit einem kleinen Boot und einer starken Lampe über das seichte Wasser und kann gut Fische oder Oktopusse am Grund erkennen. Diese werden dann mit einem langen Fünfzack aufgestochen. Wenn es in deinem Roman ein Bogen sein soll dann kann ich mir sowas noch am ehesten vorstellen.
Das klingt als Jagdmethode wirklich interessant, aber ich nehme an, dabei sollte man so nah am Ufer sein, dass man den Meeresboden wirklich sehen kann, oder? Ich glaube, dafür ist es in der Lagune dann doch zu tief?

Vielen Dank auch für die Fischarten, das hilft erstmal viel weiter!

fuschlsee0 hat geschrieben:
13.06.2019, 13:27
Diese Fische sind hauptsächlich sehr oberflächennah und könnten sicher gut mit dem Bogen bejagt werden. Zudem kann man sie mit Brot anlocken und die Sache wird noch einfacher.
Das wäre so etwa das, was ich mir vorgestellt hätte. ^.^
Was meinst du, könnte das so auch bei etwas tieferem Wasser (ohne Sicht auf den Boden) gelingen?

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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von korsikaphil » 16.06.2019, 09:19

Also dass man in Venedig nicht jagen kann, stimmt so nicht: In der Lagune wurde und wird (?) seit jeher die Jagd auf Flugwild - also auf Enten uä - ausgeübt. Hemingway soll dort gejagt und davon geschwärmt haben.

Im Zweifel kannst deine Protagonisten eine Ente vom Boot aus mit dem Bogen schießen lassen. Das ist technisch im Bereich des Vorstellbaren und zudem ist diese Jagdmethode historisch belegt, wie dieses Gemälde von 1760 zeigt:
https://www.venicecafe.it/pietro-longhi ... in-laguna/
A float tip is pleasant in its appearance, and even more pleasant in its disappearance!

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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von fuschlsee0 » 16.06.2019, 19:38

Clochette hat geschrieben:
16.06.2019, 08:03


fuschlsee0 hat geschrieben:
13.06.2019, 13:27
Diese Fische sind hauptsächlich sehr oberflächennah und könnten sicher gut mit dem Bogen bejagt werden. Zudem kann man sie mit Brot anlocken und die Sache wird noch einfacher.
Das wäre so etwa das, was ich mir vorgestellt hätte. ^.^
Was meinst du, könnte das so auch bei etwas tieferem Wasser (ohne Sicht auf den Boden) gelingen?
Ja, das geht! Meeräschen sind zwar gerne ufernah, aber auch über tieferem Grund. Und sie schubbsen das Brot an der Oberfläche hin und her. Das könnte die Gelegenheit zum Schuss bieten. Auch Brassenarten nehmen Brot an der Oberfläche im Freiwasser, aber die schießen recht schnell nach oben und dann wieder zurück. Könnte aber auch klappen.

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Re: Recherche-Nachfrage zum Thema Bogenfischen im flachen Meer

Beitrag von Clochette » 17.06.2019, 09:22

korsikaphil hat geschrieben:
16.06.2019, 09:19
Also dass man in Venedig nicht jagen kann, stimmt so nicht: In der Lagune wurde und wird (?) seit jeher die Jagd auf Flugwild - also auf Enten uä - ausgeübt. Hemingway soll dort gejagt und davon geschwärmt haben.
Okay, das ist mir zugegebenermaßen komplett entgangen. Ich habe mir Hemingways Buch dazu gleich mal besorgt – so ein Bericht aus erster Hand ist ja immer am besten. :)

Insgesamt muss ich zugeben, dass mich die Bogenschieß-Idee jetzt einigermaßen eingenommen hat. Es ist halt irgendwie eine ungewohntere Jagdform und ich mag die Nähe zu dem Fisch.

Auf jeden Fall scheine ich mit den Meeräschen ja schon einen sehr passenden Kandidaten gefunden zu haben.

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