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Wir basteln zusammen: Huchenzopf

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Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon Oze147 » 13.11.2012, 17:20

Huchenzöpfe zu bauen ist eine nette Beschäftigung für die kalten Winternächte.
Und wie das geht schauen wir uns zusammen an!

Zu Anfang sei gesagt, dass es verschiedene Varianten von Zöpfen gibt:

1. Der „Steirische“ Zopf

Soweit ich weis, ist diese Zopfart von Huchenfischern in der Steiermark erfunden worden. Sie ist die modernste Variante und gleichzeitig die, die am leichtesten selbst zu basteln ist. Grundlage ist ein langschenkliger Jighaken mit großem Hakendurchmesser. Auf diesen wird einfach ein Gummiwurm gezogen. Zwei weitere Gummiwürmer werden noch links und rechts an den Jigkopf geklebt, oder vorher auf den Jigkopf gefädelt, sodass sie im rechten Winkel abstehen. Mittlerweile gibt es auch Spezialköpfe zu kaufen, die kleine Spiralen eingegossen haben auf die man die zwei weiteren Würmer ziehen kann. Schöne Abbildungen als Muster findet man z.B: hier

http://www.amplatz-shop.at/images/shop/Huchenzopf_pumpkin_03.gif

2. Der „Kärntner“ Zopf & der Cof vom Balkan

Der Kärntner Zopf ist sozusagen der Großvater der Huchenzöpfe, die klassische Form die jeder kennt und wurde früher aus Neunaugen gefertigt. Der Cof wird nach dem gleichen Prinzip gefertigt. Allerdings werden in Kroatien, Serbien und Slowenien dafür fast ausschließlich Gummibänder für die Fransen verwendet. Außerdem sind sie im Vergleich zum Kärntner Zopf, der meist über 20 cm lang ist, relativ klein. Dies liegt daran, dass man den Cof auch zum Forellenfischen verwendet
Für den Bau braucht man zumindest Stahldraht, Bleikappen, Holzperlen, Einzelhaken/Drillinge und Material für die Fransen.
Bild


Ich bastel hier übrigens einen Zopf im Cof-Style, allerdings in huchentauglicher Größe.
Als erstes formt man mit dem Stahldraht eine Öse
Bild


Dannach folgt eine Holzperle. Hier habe ich noch eine Beilagscheibe dazugefädelt, damit die Fransen später besser abstehen.
Bild


Anschließend werden die zwischen 15 und 25 cm langen Fransen aufgezogen und um die Holzperle verteilt. Die Fransen sind am oberen Ende etwa 5-8 mm breit und laufen spitz zu. Das Geheimnis eines guten Zopfes liegt in den Fransen. Das klassische Material hierfür ist Hirschleder. Dünneres Leder ist nicht geeignet, da sich sonst die Fransen zu leicht ineinander verfangen oder im Drilling hängen bleiben. Weitere mögliche Materialien sind z.B. Zonkerstripes( Kaninchenfellstreifen), Fischhaut, Wetextücher, Gummiwürmer etc.
Bild

Bild


Zuletzt wird noch Die Bleikappe aufgesetzt und am oberen Ende wieder eine Öse geformt. Der klassische Zopf ist für Bastler insofern interessant, da er viel Platz für Experimente bietet. Alleine das Material der Fransen bietet viel Entfaltungsmöglichkeiten. Aber man kann auch die Holzkugeln durch Beilagscheiben ersetzten oder anstatt Bleikappen, Bleioliven oder Hutmuttern verwenden.
Bild


In die untere Öse wird noch ein Stück Stahldraht oder auch Blumendraht mit Drilling montiert. Fertig.

3. Der Schwemmzopf

Schwemmzöpfe sind eine Weiterentwicklung des klassischen Zopfes (und wurde glaub ich ebenso in der Steiermark entwickelt….und der Kärntner in mir weint heimlich :lol: ).

Der Aufbau ist ähnlich dem Kärntner Zopf. Der Clou beim Schwemmzopf ist aber, dass die Bleikappe weggelassen wird und durch ein Bleigewicht am Seitenarm ersetzt wird. Hintergedanke ist dabei, dass bei einem Hänger nur das Bleigewicht verloren geht.

Hier noch ein Foto von verschiedenen Zöpfen. Viel Spaß beim Nachbauen...und wenn einer noch einen guten Schmäh beim Zopfbasteln hat, dann raus damit :D !
Bild
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon zwi » 13.11.2012, 17:31

Hallo Oze!
Schöner Beitrag, der mich an ältere Artikel im Forum erinnern, wo von einem absoluten Huchenprofi, die Fischhaut des vorangegangenen gefangenen Huchen für die Zöpfe herhalten mussten, leider konnte ich den Huchenalex nie kennen lernen!
Fg
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon rob gone fishing » 13.11.2012, 17:43

was, der huchenalex war hier im board!!ich lernte ihn in einem anderen kennen.
er war ein freund von mir und hat mich an der enns ins huchenfischen eingewiesen.
war mehrere male bei ihm.
die zöpfe aus huchenhaut nannte er todeszöpfe. :D fischte selber damit, einen seiner heiligen hat er mir jedesmal gegeben.
ich hab so gar noch irgendwo fotos von den zöpfen und eine von ihm geschriebene bauanleitung.
die muss ich mal checken, würde die hier einstellen.

gott habe ihn selig, viel zu früh ist er von uns gegangen!!!
meinen ersten huchen, den ich in der donau bei rossatz fing, widmete ich ihm.
rest in peace alex.


@ oze: super beitrag!

lg rob
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon zwi » 13.11.2012, 17:49

Hallo Rob!
Weiß nicht ob er hier im Forum aktiv war, aber zumindest ist er mir ein Begriff. Ganz gleich aus welchem Forum ich ihn noch kenne, beim Thema "Huchenzopf - Bau" fällt mir als erstes der HuchenAlex ein!
Lag
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon Oze147 » 13.11.2012, 18:08

Also ich habe ihn auch nie kennengelernt, aber seine Bauanleitung ist legendär....vorallem weil es auch die einzige im ganzen Netz ist.
Wir reden von diesen Zöpfen oder?
Bild

Außerdem hat er auch mal eine tolle Anleitung fürs Bauen von Wedlern gemacht, aber davon gibts keine Bilder mehr.
Und Artikel übers Huchenfischen hat er auch ein paar geschrieben.
Muss wirklich ein super Kerl gewesen sein!!!

@ rob: Wie wars denn so mit ihm? Ich glaub sein Hausgewässer war die Enns, oder?
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon buggi » 13.11.2012, 18:11

Frage nebenbei, braucht man beim Huchenfischen eigentlich ein Stahlvorfach?
Habe letztens einen ausgestopften in einem Museum gesehen, der hatte schon ziemliche heftige Zähne.

Der Huchenhautzopf sieht geil aus, wird aber wohl nicht lange halten ehe er stinken anfängt ? :D
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon rob gone fishing » 13.11.2012, 18:40

hi oze!
ja,das könnte einer von ihm sein, genau so baute er sie!
werde mal morgen einige fotos und die bauanleitung checken.
er wohnte direkt an der enns, ist den ganzen winter lang in der früh und am abend auf huchen gewesen. einen grossen pro jahr erwischte er immer und die huchen in der enns sind sehr gross.
halt auch schwer zu fangen, tief, starkstömend und geringe dichte.
mit der fliege kannst da fast nirgends fischen, die zöpfe hatten auch von 80 - 200g.

@buggi: hehehee, da hast schon recht.
er hat die zöpfe nach dem fischen immer eingefroren, so hielten sie doch einige zeit.

lg rob
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon Oldman » 13.11.2012, 23:25

Hallo!
So ein Huchenzopf -vielleicht farbiger gehalten -sollte auch für Zander und Hecht ein Toppköder sein.

Gruß Oldman
wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen ist,
wirst du festellen, dass man Geld nicht essen kann
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon Oze147 » 14.11.2012, 08:12

buggi hat geschrieben:Frage nebenbei, braucht man beim Huchenfischen eigentlich ein Stahlvorfach?
Habe letztens einen ausgestopften in einem Museum gesehen, der hatte schon ziemliche heftige Zähne.


Nein, braucht man eigendlich nicht, vielleicht höchstens gegen Schnurabrieb am Grund. Huchen haben zwar schon ordendliche Zähne, aber durch die Zahnform ist es ähnlich wie beim Zander oder großen Forellen. Die Zähne sind zwar spitz aber haben nicht so eine Messerform wie beim Hecht.

rob gone fishing hat geschrieben:die zöpfe hatten auch von 80 - 200g.


Woah, dass ist aber sehr massiv! Bist du sicher, dass er nicht Köderfischsysteme in der Gewichtsklasse verwendet hat? Denn für einen 30er Aitl kann ich mir schon vorstellen, dass man so um die 100-150gr Beschwerung braucht um den zum Grund zu bekommen.

Meine Kappen sind so zwischen 20 und 50gr. Das reicht eigendlich bei mir fast überall aus, denn so ein Zopf hat nicht viel Wasserwiederstand. Deshalb auch der Trick mit den Hutmuttern, die bekommt man in mehr verschiedenen Größen und Gewichten als die Bleikappen und wenn man jemanden kennt der sie z.B. beruflich braucht, kann man auch immer wieder ein paar gratis abstauben.

Oldman hat geschrieben:So ein Huchenzopf -vielleicht farbiger gehalten -sollte auch für Zander und Hecht ein Toppköder sein.


Glaub ich gerne, denn so unterschiedlich ist ein Fransenjig ja auch wieder nicht. Wenn man sie z.B mit Fellstreifen macht hat man vom Fliegenbinden her ja dutzende Farbvarianten zur Auswahl.

Wen es noch interessiert:

http://www.drina.in.rs/index.php?topic=107.0

Ich versteh zwar kein Wort, aber die haben dort 30 Forumseiten mit schönen Zopf- und Huchenbildern und auch eigene Fotoanleitungen zum Selbstbasteln.
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon rob gone fishing » 14.11.2012, 10:00

Oze147 hat geschrieben:
rob gone fishing hat geschrieben:die zöpfe hatten auch von 80 - 200g.


Woah, dass ist aber sehr massiv! Bist du sicher, dass er nicht Köderfischsysteme in der Gewichtsklasse verwendet hat? Denn für einen 30er Aitl kann ich mir schon vorstellen, dass man so um die 100-150gr Beschwerung braucht um den zum Grund zu bekommen.

Meine Kappen sind so zwischen 20 und 50gr. Das reicht eigendlich bei mir fast überall aus,


hi oze!

du hast vollkommen recht, habe es mit dem system verwechselt.
er nimmt gewichte von 20-40 g, siehe seinen unten angehängten beitrag!

möchte einige impressionen vom gemeinsamen fischen an der enns einstellen.
leider habe ich viele bilder nicht mehr...

alex bei der arbeit

dais.jpg


wega.jpg


hufi.jpg


sein todeszopf aus huchenhaut

zopf.jpg


ein 3 gelenkiger koppenstreamer

koppe.jpg


weiters fand ich seine bauanleitung und einiges wissenswertes über den zopf:

copyright: huchenalex


vorweg: es gibt im Handel keinen einzigen Huchenzopf zu kaufen, der den Namen auch verdient.. also blos nicht viel Geld für so ein Teil ausgeben (kosten alle über 10 Euro) und dann nachbauen, is schade um die Zeit..
Huchenzöpfe sind mit ein wenig Übung recht schnell und einfach selber herzustellen. Ein größeres Problem ist meißt die Beschaffung der Einzelteile..

Dünnes Leder ist kaum geeignet, weils im Wasser zu weich wird und sich der Zopf dann ständig verwickelt.. am Besten ist starkes Elch- und Hirschleder geeignet, nimmt im Wasser auch die optimale orange - bräunliche Färbung ein.. frag da einfach mal eine Gerberei in eurer Nähe..

Schneide aus dem Leder etwa 50 cm lange Fransen raus, an den Enden spitz zulaufend, je nach Lederstärke in der Mitte 5- 8 mm breit, und mach in der Mitte ein Loch.
Die Einzelfäden dürfen NICHT alle exakt gleich lang sein! Nimm 1 mm starkes Stahldrahtstück von ca. 20 cm und mach eine Öse. Je nach Innendurchmesser der Bleikappe ziehst Du eine möglichst große Holzkugel (gibts im Bastelgeschäft) auf den Draht, und dann die Lederstücke drauf. Dann kommt noch die Bleikappe und eine kleine Perle, damit sich die obere Öse gut festziehen läßt und die Lederstreifen nicht mehr verrutschen können. An die untere Öse kommt für den Haken ein Sprengring mit ner Kette (auch ausm Baumarkt), über das Du einen durchsichtigen Silikonschlauch ziehst. Der Drilling (einer genügt völlig) muß relativ weit hinten sitzen, sonst spielt der Zopf nicht.. ideal ist es, wenn das Leder etwa 3 cm über den Drilling hinausragt. Größe des Drillings etwa 4/0.

Je dünner das Leder, desto breiter und kürzer die Streifen und desto größer die Holzkugel, die die Streifen auseinanderspannt..

Was auch recht gut geht, sind Zöpfe aus Gummiwürmern mit kleinem Twisterschwanz drann (Culpritt z.B.) in bräunlich - rötlichen Farben. Dabei genügt dann eine relativ kleine Holzkugel.

Mit dem Gewicht der Bleikappe nicht übertreiben! Zöpfe hängen leicht und müssen extrem langsam geführt werden. 20 - 25 g sind fast überall ausreichend. Und immer leicht stromab werfen und Schnur vor dem Auftreffen auf die Wasseroberfläche abbremsen und dann sofort spannen, sonst überschlägt er sich oft. Und dann immer schön zäh von der Strömung ans Üfer führen lassen und nur minimal (!) Heben und Senken.

Grüße aus OÖ und PH,
Alex


Und hier noch ein Bild von einigen verschiedenen Zopf - Varianten, in der Mitte der zusammengebaute Zopf von vorhin. Wenn man genau hinsieht ist zu erkennen, daß dabei 2 Ledersorten gemischt sind ( 1 Streifen Hirschleder mit dunkler Seite, 2 Streifen Elchleder), eine tödliche Kombination.
Die Gummizöpfe sind etwas einfacher herzustellen und überschlagen sich nicht so leicht, sind allerdings nicht ganz so fängig wie der Lederzopf.


Die Bleikappe (ist innen hohl) gieße ich mir selber, man bekommt sie aber auch zu moderaten Preisen über den Fachhandel... frag mal Deinen Gerätehändler.. Solltest Du sie dennoch nirgends auftreiben können, könnt ich Dir auch ein paar schicken, ich hab nen halben Schrank voll ;)
Zur Not würd wohl auch ein normales Kugelblei gehen..

Das Gewicht der Bleikappe hängt von Gewässertiefe und Strömung ab, da der Köder beim Huchenfischen zum Grund muß. Für normale Verhältnisse sind 20 - 25 g aber absolut ausreichend. Nur wenns besonders tief ist (über 5m) oder ich direkt im Kraftwerksausfluß fische geh ich auf 40 g. Ideal ist es, wenn Du leicht stromab wirfst und den Köder praktisch ohne Kurbeln von der Strömung ans Ufer drücken läßt (Rute runter dabei, sonst kannst Du den Huchen nicht anschlagen!). Holperst Du dabei ständig am Grund entlang, ist der Köder zu schwer, hast Du nie Grundberührung, ist er zu leicht.

70 g WG hört sich halbwegs vernünftig an, ist aber eher am unteren Ende des brauchbaren Spektrums. Du brauchst auch bei schweren Ködern in starker Strömung noch genügend Kraftreserve für einen knallharten Anhieb. Ich verwende Ruten um 120g WG, in manchen Strecken bis 200 g.
Die Geflochtene (Fireline, ist auch im Winter brauchbar) sollte min. 0.25mm Durchmesser haben, besser über 0.30mm.. nicht wegen der Tragkraft, sondern wegen der Abriebsfestigkeit, weil die Geflochtene bei den vielen Hängern schnell aufrauht und dann schon bei geringen Belastungen reißt. Hilfreich ist hierbei auch ein 1 m langes Monovorfach von etwa 0.50 mm.. rauht es auf, wirds einfach ausgetauscht..

Das brutale Gerät unterstützt Dich auch beim harten Drill mit einem Großhuchen.. blos nicht "spielen" mit dem Vieh, sondern das Überraschungsmoment nutzen.. beim Bieß knallhart anschlagen, noch einmal nachschlagen.. und nocheinmal... und dann raus mit ihm.. ;)
geht er mit der Strömung ab, ist er nämlich kaum zu halten..


da ich grad dabei bin, ein paar Zöpfe zu bauen (@rob, der is ganz speziell für Dich morgen ;)), ergreif ich mal die Gelegenheit und stell ein paar Bilder dazu rein..

hier sieht man mal, was man alles braucht:
- Stahldraht 1mm
- Bleikappen, innen hohl, zwischen 15 und 60g, je nach Tiefe und Strömung
- Holzkugeln versch. Größe
- Sprengringe
- Drillinge
- und natürlich, das entscheidenste: das Material, woraus man die Fransen schneidet..

zopf-was-man-braucht1#001.jpg


In diesem Fall ists gleich mal Fischhaut, die hab ich dem letzten Huchen abgezogen.. sollt ich normalerweise gar ned sagen, denn das ist wirklich DER Todesköder überhaupt.. macht am "Basteltisch" optisch nicht viel her, aber wenn man ihn mal im Wasser sieht...


als erstes biegt man mal ein paar Drahtachsen.. dabei wird eine gleich mit ein paar Windungen fix gesichert (an die kommt später der Haken), die andere läßt man mal soweit offen, daß man die andere Öse noch einfädeln kann.. nachdem man die beiden "eingeklingt" hat, macht man eine halbe Windung, damits nicht mehr auskann.. aber nicht mehr(!), man braucht noch Reserve, wenn man diw Kappe später festzieht... sonst hat man 2 Windungen unten und 8 Windungen oben, und das Ding hält immer noch nicht..

zopf-drahtachsen#001.jpg


Dann fädelt man auf die obere Drahtachse zuerst ne Bleikugel (1. damit man die Öse nicht in die Holzkugel reindrückt, weil das später immer locker wird, und 2. weil der Radius das Festziehen erleichtert), dann die Holzkugel (in diesem Fall sinds 2, weil die größere 25mm Durchmesser hat und die Bohrung so groß ist, daß sie die Bleikugel "verschlucken" würd), dann die Fransen, dann die Bleikappe, und dann wieder eine Bleikugel..


.. und dann macht man oben ebenfalls eine Öse und zieht das Ganze schön fest - natürlich, nachdem man die Fransen schön am Umfang verteilt hat.. ich hab die nur zwecks der besseren Detailansicht alle auf eine Seite gerückt..
das Ganze sieht dann in etwa so aus


zopf-vor-zusammenbau#001-1.jpg


Der abgebildete Zopf ist übrigends etwa 30 cm lang.. bin ein klarer Verfechter der großer Köder - großer Fisch - Strategie ;)
will mir ned ganz einleuchten, wie man einen großen Raubfisch dazu animieren sollte, einer Beute womöglich noch in starker Strömung hinterherzuhetzen, wenn das nicht zumindest ungefähr seinem gängigen Beutespektrum entspricht.. ich hab jedenfalls noch nie im Magen eines Huchens einen Fisch kleiner als 30 cm vorgefunden, wohl aber schon deutlich größere..

Woraus kann man denn die Fransen nun schneiden, wenn man keine Huchenhaut zur Hand hat ;)

zopf-fertig2#001.jpg


nun, Fischhaut ist sicherlich das Optimum und bringt weit mehr Bisse als jeder Kunstzopf.. die Haut von großen Weißfischen geht auch, nur ist das Kosten - Nutzen - Verhältnis dermaßen schlecht ( 1 große Nase häuten -> locker 1 h Arbeit.. und daraus kriegt man dann vielleicht 3 Zöpfe...), daß einem die Freude vergeht.
Gut ist meines Erachtens auch Schweineschwarte (weiche Bauchseite, der Rest ist unbrauchbarm weil zu steif), brauchbar noch Elch- und Hirschleder.. hab auch mal Zöpfe aus Wetex - Tüchern gebaut, war überascht, wie gut die gespielt haben..

Egal woraus man ihn baut, wichtig ist, daß er schon bei langsamster Führung schön flattert.. idealerweise sollte man gar ned kurbeln müssen.
Wie breit und wie lang man die Fransen beim jeweiligen Material schneidet, muß man selbst rauskriegen.. wenn man 10 Zöpfe baut, spielen 5 schön, 3 mäßig und 2 gar nicht, obwohl sie völlig ident aussehen.. ich hab sogar schon Lederzöpfe zerlegt, die am Besten gespielt haben und Schablonen der Fransen angefertigt..... kurzum, es funktioniert nicht..
Eine gewisse Experimentierfreudigkeit ist also auch Vorraussetzung, erfolgreich mit dem Zopf zu fischen..

So nebenbei hängen die Dinger durch den freihängenden - und nach unten sackenden - Drilling sehr leicht, überschlagen sich ständig, wenn man sie falsch wirft und sind recht schwierig zu führen. warum ich dann überhaupt damit fische? nun, weil ich etwa 90 % meiner Huchen damit gefangen habe.. obs nun eine Glaubensfrage ist oder nicht..



Grüße,
Alex


er wird mir immer in erinnerung bleiben, ein wahrer vollblutfischer, rest in peace alex!

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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon fuschlsee0 » 14.11.2012, 10:59

WOW!!!! Was für ein thread! Vielen Dank allen Beteiligten.
Der Alex war einer der ersten der in einem forum übers Huchenfischen geschrieben hatte. Ich hab mir das alles mit Inbrunst reingezogen (so wie als Kind den Karl May ;-) und viel daraus gelernt. So weit ich feststellen konnte, war er einer der ganz schwer von der heimtückischen Krankheit Fischeritis (besser gesagt Fischeritis hucho) heimgesucht worden ist.
Zu Huchenzöpfe konnte ich eigentlich nie großes Vertrauen finden. Wenn ich mir das aber durchlese und DIESE Huchenzöpfe sehe, dann glaube auch ich an die Fängigkeit. Kannte bisher nur die im Handel befindlichen Dinger und die waren nicht meins.
Und Bastelarbeit gibt es damit auch wieder. Juhuuu!
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btw: Zum thread Huchenrute letztens: Auch Alex vertrat - so wie ich auch - die Meinung: Kräftige Rute, mind. 30er Geflecht und/oder 50iger mono. Wer viel auf Huchen fischt, der weiß warum. Und wer fängt hat recht ;-)
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon Oze147 » 14.11.2012, 11:50

fuschlsee0 hat geschrieben:Kannte bisher nur die im Handel befindlichen Dinger und die waren nicht meins.


Mittlerweile gibts einige Onlineshops die wirklich gute Zöpfe anbieten.
Das Problem ist halt folgendes: Alle guten Zöpfe kosten um die 10€ aufwärts und wenn du bei einem Streifgang zwischen 5-10 versenkst, dann ist das halt extremst besch****. Wenn du dir die Köder selber bastelst kostets dich vielleicht 2-3€, wenn du dann noch irgendwelche Möglichkeiten hast um über Kontakte an Materialien ranzukommen wirds noch günstiger. Dazu kommt halt noch, dass du beim Basteln alles zusammenschustern kannst was dir Freude macht und vielleicht Fische fängt. Im Geschäft gibts halt nur begrenzte Auswahl.

Übrigens, mit dem Misstrauen in den Zopf bist du nicht alleine! Hab grad gestern wieder in "So fängt man Huchen" geschmöckert. Da schreibt der Autor auch, dass er: "jeden guten Blinker dem Zopf vorzieht"...aber auch über Fische aus Gummi die in den nächsten Jahren vielleicht in Deutschland erhältlich sein könnten...waren halt andere Zeiten :lol:

@rob: Danke, dass du die Beiträge vom Alex so schön zusammengefasst hast! Ich möchte gar nicht wissen wie viele Tips und Tricks er noch auf Lager hatte. Allein wenn ich mir die Fellkoppe anschaue....schade, dass er nicht mehr unter uns weilt.
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon rob gone fishing » 14.11.2012, 12:05

hi oze!

alex hat auch immer wieder mal mit aiteln am system gefischt.
von gummifischen hielt er überhaupt nichts.
er grinste über die leute die an der enns damit fischten.
ja und ich fing meinen ersten huchen auf gummifisch. :mrgreen:
schade dass ich ihm dies nicht mehr unter die nase reiben konnte.
der luis töchterle, ein bekannter huchenfischer der ersten stunde, war auch ein freund von alex.
er ging mit ihm oft an der enns mit und alex war bei ihm an der mur und pilach.
ist auch ein feiner kerl der luis, muss ihn mal wieder kontaktieren.
vielleicht meldet er sich ja bei uns an, von dem kannst was lernen.(auf der öfg-seite findet man immer wieder seine bilder)

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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon Andreas » 14.11.2012, 12:42

Vielen Dank für den tollen Beitrag. Dieser Thread gehört schon jetzt zu einem meiner All-Time-Favourites!

:applaus:
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Re: Wir basteln zusammen: Huchenzopf

Beitragvon eggerm » 14.11.2012, 14:11

Super Thread!

Hat jemand eine Ahnung wie die Form für die Bleikappen zum gießen hergestellt wird? Die Idee mit den Hutmuttern finde ich ja auch schon super.
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